Archive for the 'walter stach' Category

Walter Stach 06

Walter Stach, artist/art mediator, A

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Dass die Kapitalisierung sozusagen der Kunstproduktion Formen angenommen hat, wie [es] sie vor dreißig oder – ich nehm[e] … noch einmal diesen Bogen von – vor hundert Jahren noch nicht gegeben hat, das würd[e] ich auch, eben trotz allem, unter gradueller Veränderung einstufen.

Walter Stach 05

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Empfindest du da Unterschiede, wenn du die Kunstauffassungen [der 68er-Jahre] mit denen einer heutigen zeitgenössischen [Kunst], einem Kunstmarkrt oder einer Kunstthorie vergleichst? Stellst du da große Unterschiede fest?

WS:
Große graduelle, keine prinzipiellen. Also, es hat die Geschichte zumindest der Kunst der letzten hundert Jahre gezeigt, dass der Gedanke der Aufklärung auch in diesem Genre sozusagen Platz gegriffen hat, und wenn man jetzt, ich weiß nicht …, zurückgeht bis zu den Futuristen und den Künstlern der russischen Oktoberrevolution bis zu heutigen Formen wie Social Art und Public Art und wie immer sie alle heißen, so gab es immer in der Kunstentwicklung eine Strömung, die es für wert gefunden hat, in Beziehung, in möglichst enger und möglichst wirkungsvoller Beziehung zur Gesellschaft und zu gesellschaftlichen Aktivitäten zu stehen. Und auf der anderen Seite gab [e]s und gibt [e]s natürlich eine große Strömung – wenn sie man jetzt sehr pauschal zusammenfasst –, die man ja irgendwie unter dem Begriff des l’art pour l’art vereinnahmen könnte.

Walter Stach 04

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Der sozialpolitische Anspruch ist immanent bei deinen Produktionen?

WS:
Ja. Und hat sich dann – muss ich dazu sagen – später im Rationalen und Emotionalen insofern erweitert und verstärkt und ausdifferenziert, als ich … in einer Zeit meine Berufsausbildung als Künstler erhalten habe, die eine sehr politische, sehr politische Zeit war. Also, ich hab[e] 1967 an der Akademie am Schillerplatz zu studieren begonnen und hab[e] 71 das Studium dort beendet. Das heißt, ich hab[e] also die berühmt-berüchtigte 68er-Zeit mitgemacht, und das war die, wie soll man sagen …, die ideologische Besetzung dieser sehr persönlichen Wurzeln, die das … – meine Haltung eigentlich – dann eben verstärkt haben und bis heute eigentlich bestimmen.

Walter Stach 03

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Du bist ja letztlich auch Experte für Projekte mit sozialem Anspruch, künstlerische Projekte mit sozialem Anspruch. Woher kommt das? Wie hat sich das entwickelt?

WS:
Ich gehöre zu denjenigen, die nicht die Kunstproduktion losgelöst vom sozialen und – wenn man so will – psychischen Leben des Künstlers, der Künstlerin sehen, und deswegen … kann ich die Frage nur sehr persönlich beantworten. Ich bin in einem Sozialbau aufgewachsen, in einem Gemeindebau, und war also von vorneherein sozusagen sozialisiert in diese Richtung. Zum anderen war aber dieses Fortgehen oder Weggehen von diesen spezifischen sozialen Wurzeln … auch etwas, was ich nie vergessen habe, nicht vergessen konnte und was sozusagen immer einen Flashback auch in meinen Intentionen, Kunst zu produzieren und zu vermitteln, ausgeübt hat. Das hat mir manchmal – sage ich jetzt einmal – weh getan, weil ich mir gedacht hab[e], ich werde mich davon nie lösen können – negativ gesehen –, zum anderen stehe ich … also heute zu mir [und] bin ich aber auch so was wie stolz darauf, dass ich meine persönliche Sozialgenese nicht verloren habe.

Walter Stach 02

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Was ist dir das Wichtige, was suchst du in deiner künstlerischen Produktion?

WS:
… kann ich nicht eindeutig beantworten, weil es also mehrere … wie soll ich sagen … kunstproduzierende Seelen und Muskel[n] gibt. Zum einen, … so wie sich das sehr Viele traditionellerweise vorstellen … nämlich in meinem Fall ist es … nicht die Staffelei, vor der ich stehe, sondern der Bildschirm, vor dem ich sitze und mit Hilfe verschiedener Softwares Bilder produziere, die dann singulär materialisiert als so genannte C-Prints an irgendwelchen Wänden hängen. Zum anderen war ich und bin ich tätig in sozialen Zusammenhängen mit künstlerischem Anspruch, und dazwischen gibt es auch noch einige andere Variationen, die ich brauche, sage ich jetzt einmal, und für die ich mich – und diese Möglichkeit hab[e] ich in meiner Situation – auch entscheiden kann, wenn ich es will.

Walter Stach 01

Walter Stach, artist/art mediator, A

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Ja, wo komme ich her? Diesen Beruf des Künstlers habe ich einfach gelernt, also: Ich bin von der Ausbildung her Künstler und Kunsterzieher – also: Es ist in meiner Ausbildung schon angelegt diese Dichothomie oder diese Verwandtschaft zweier Tätigkeiten, die einerseits ursächlich miteinander zu tun haben, weil es um das – im Kern, meine ich – Gleiche geht … auf der anderen Seite aber doch sehr verschieden sind, weil sie einerseits den Produktionsbereich betreffen und [andererseits] die Rezeption. Dass das heute – ich sage, zum Glück – nicht mehr ganz so eindeutig von einander geschieden ist oder zu scheiden ist, wenn man also von einer Position der Partizipation im Vermittlungs- und Produktionsprozess ausgeht, ist etwas, worauf wir dann vielleicht noch einmal zurückkommen werden.

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