Archive for the 'walter stach' Category

Walter Stach 13

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Und was hast du da gesucht? Gibt [e]s da ein Thema? … Bei vielen zieht sich das wie ein roter Faden durch. Oder was ist es, was du dort suchst, wenn du dich so in die eigene Produktion vertiefst, sozusagen?

WS:
Das weiß ich nicht. Und wenn ich es wüsste, wär[e] es wahrscheinlich nicht die richtige Antwort, weil das ist also so wie bei den – glaub[e] ich – … Psychologen und Psychiatern: die kurieren auch an den anderen, was sie an sich selbst nicht kurieren können, weil sie es an sich selbst auch nicht sehen. Deswegen – glaub[e] ich auch, bin ich auch davon überzeugt –, wenn man [einen] Künstler fragt, [nun], was meinen Sie denn mit diesem Werk? –, dass man garantiert nicht die richtige Antwort kriegt, [nicht], weil er schwindelt, sondern weil er es wirklich nicht weiß. … Da hab[e] ich eine sehr traditionelle bis konservative Auffassung, dass ich glaube, dass ein großes Movens der künstlerischen Tätigkeit tatsächlich in der Tiefe der Psyche dieser Menschen, die da als Künstler gelten, liegt … und [sie] von dort her ihre Kraft bekommen. Wenn man es pathologisiert, kann man sagen: Wenn jemand, wenn ein Neurotiker die Fähigkeit hat, sein neurotisches Verhalten sozusagen kreativ zu sublimieren, dann kann ein großer Künstler aus ihm werden, ansonsten ist er nur ein Neurotiker.

Walter Stach 12

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Es wird ja verstärkt auch die Rolle des Künstlers, der Künstlerin als Dienstleister[Innen] immer wieder aufgegriffen, stark derzeit im Lichte von Entertainment und Public Relations. Oder … – was auch immer wieder [diskutiert wird] –, … das [sind] ja auch die Schwierigkeiten, bei transdisziplinären Projekten – wenn man zum Beispiel mit Laien arbeitet; also das Transdisziplinäre der Kunst … Glaubst du, dass das wirklich der Hauptauftrag des Künstlers, der Künstlerin ist, oder sind da sozusagen Methoden und Sprachrohre, die ein Künstler, eine Künstlerin für sich wählen kann, um etwas zu produzieren, was in einem selbst entsteht? Wie stehst du zu dieser Dienstleister[schaft], zu dieser Anwendbarkeit von Kunst in einer Gesellschaft?

WS:
Günther Nenning hat in einer seiner tausend Publikationen, einmal im Neuen Forum, einen Beitrag geschrieben, dessen Titel ich mir sehr gut gemerkt habe. Der Titel hat gelautet: Die Kunst darf alles und muss nichts. Also: Ich würde mir nicht anmaßen, irgendjemandem, der sagt, ich bin Künstler, vorzuschreiben, was er zu tun oder was er zu lassen hat. Das ist … für mich wirklich ganz wichtig. Meine persönliche Meinung für das, was ich tue, in dem, wo ich mich als Künstler erlebe und als Künstler auch betätige, ist, dass ich in manchem – und das seh[e] ich einfach, wenn ich meine Arbeiten so zurückerinnere – und in vielem mich sozialkommunikativ angebunden habe und – wenn du so willst – sozusagen als Dienstleister an der Gesellschaft fungiert habe, aber in einigen Werken – und die sind mir auch ganz, ganz wichtig – überhaupt keine Rücksicht genommen habe auf das, was ich glaube, dass die Gesellschaft von mir erwartet oder braucht oder so. Also, da war ich mir in meinem Tun selbst genug, und das finde ich auch total in Ordnung.

Walter Stach 11

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Ich persönlich bin ja ein großer Fan von prozessualen Projekten und weiß gar nicht, ob ich noch so schätze diese Erhaltbarkeit von Kunst. Ich glaub[e], es sind unterschiedliche Produktionsformen – grundsätzlich einmal …

WS:
Ja, aber … Ich bin auch ein großer Sympathisant, … vor allem, wenn ich als Vermittler arbeite, dann ist das Ergebnis … das, was sozusagen vom Anfang, vom ersten Moment an, bis zum Schluss passiert beziehungsweise passiert ist … Andererseits man hat es … in seinem eigenen neuronalen Netzwerk, es ist immer etwas, das überbleibt, und ich sag[e] noch einmal: Es hat im Diskurs auch keinen Bestand und deswegen, glaub[e] ich, auch keine Überlebenschance. Was nicht erinnert wird, hat es nicht gegeben. Das heißt nicht, dass es nicht Kunst gewesen sein kann.

Walter Stach 10

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Es gibt ja immer wieder die Debatte darum, ob die Kunstvermittlung selbst eine Kunstform ist. [Diese Frage] wird immer wieder aufgegriffen. Wie stehst du da dazu mit der Erfahrung, die du einbringen kannst, oder wodurch begründet sich diese … Forderung, [die ja auch immer eine] der Kunstvermittler gewesen [ist]?

WS:
Also dort, wo es die ersten gibt, die das anerkennen, dort – würde ich sagen –, dort ist es eingetreten, dass das gilt, dass Kunstvermittlung eine Kunst ist. Also persönlich mein[e] ich, dass Kunstvermittlung manchmal wirklich eine Kunst sein kann, wenn es eben darum geht, sozusagen miteinander in einem kreativen Prozess auch etwas zu materialisieren. Ich glaube, dass es letztlich schon darum geht, dass etwas materialisiert überbleibt, sonst ist es halt ein Miteinander-Tun gewesen, was ich jetzt nicht sozusagen grundsätzlich abwerten will, aber … – wie soll ich das sagen? – wenn … das Geschehen keinen Bestand hat, zumindest auch oder nur in der Erinnerung der Personen, dann hat es halt auch wenig Chancen, auf die lange Zeit in dem Kunstdiskurs zu verbleiben.

Walter Stach 09

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Wobei da ja, glaub[e] ich, ganz andere Inhalte, nämlich die, die in der Kommunikation stattfinden, viel wichtiger werden im Unterschied zu rein … formalen Kriterien, die für manche Künstler[Innen] ganz wichtige Frage sind. … Wenn wir auf Christo zurückkommen: Er arbeitet ja eindeutig mit einer Formensprache und stellt sozusagen indirekt Inhalte her, interveniert, [es] sind eigentlich Interventionen, die aber jenseits des postulierten Wortes stattfinden und dadurch Raum für Interpretation lassen, … [es] sind offene Interventionen. Wenn man zum Beispiel mit Lehrlingen arbeitet, gibt es natürlich auch solche Methoden – keine Frage –, wenn man die kreative Produktion anbietet, anleih[t], dann ist da sehr viel, das ja eben freie Möglichkeiten, neue Möglichkeiten eröffnen soll, aber trotzdem – denk[e] ich – muss das Angebot etwas umgänglicher sein für die Rezipientinnen und Rezipienten – seien das jetzt Jugendliche. Oder geht man von einem bestimmten Bildungsniveau aus, oder hat man mit einer Benachteiligung umzugehen? Darauf muss man sich ja doch auf eine Art von pädagogischer Weise einstellen. Das heißt, wo stößt da sozusagen die so genannte Selbstverwirklichung des Künstlers, der Künstlerin an Grenzen? Oder stellt sich die Frage nicht?

WS:
Oja, ich glaube, die Grenze ist dort, wo der Künstler zu sehr davon überzeugt ist, dass er ein Messias ist und die Welt – sag[e] ich jetzt einmal – davon überzeugen will, dass die Kunst das Eine und das Alles sei, worum es also im Leben ginge. Ich glaube zwar, dass es so ist, selber … [lacht], aber – also – mit Abstand gesehen, würd[e] ich sagen, … wir sind alle irgendwo in irgendeiner Beziehung benachteiligt. Wenn ich heute einen Wasserrohrbruch habe und kann ihn nicht selber bearbeiten, dann bin ich benachteiligt gegenüber dem Installateur. Der ist ein Fachmann auf seinem Gebiet und verdient mindestens soviel wie ich.

Walter Stach 08

Walter Stach, artist/art mediator, A

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Dort, wo Künstler, Künstlerinnen mit so genannten Laien arbeiten, ob das jetzt – ich weiß nicht – Obdachlose sind, ob das “Psychiatrische” sind, ob das Lehrlinge sind und so weiter, das ist sicher etwas – davon bin ich überzeugt –, das das Etikett politisch verdient, mit Recht verdient, und wo ich jedenfalls dafür bin, dass das sozusagen im Hegemonieanspruch dessen, was also als Kunst zu definieren ist, seinen Platz hält bzw. bekommt.

Walter Stach 07

Walter Stach, artist/art mediator, A

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AR:
Der Kunstmarkt ist ja doch stark ein Imagemarkt geworden, nicht? …. Sozusagen Rang und Ansehen, persönliches Image definieren den Wert des Künstlers, der Künstlerin, de facto wie ein Börsenmarkt, könnte man sagen. [Das] steht in großem Widerspruch zu zeitgenössischen Auffassungen, die das Werk, das Oeuvre verwerfen und prozessuale Kunst, Kommunikationskunst in den Vordergrund stellen, auch in der Medienkunst zum Beispiel net.art – ganz viel politische Kunst, die Campaigning, letztlich ganz stark Campaigning forciert. Ich glaube, das entspricht ein bisschen so deinen Schilderungen einer l’art pour l’art-Strömung versus einer politischen Ausrichtung von Kunst …

WS:
Ja, wobei ich da nicht mehr so ganz sicher bin, ob wir das Gleiche verstehen, wenn wir von Politischem in der Kunst oder von politischer Kunst reden. Vor – ja, es ist jetzt sehr lange her, es muss irgendwie vor 35 Jahren gewesen sein –, war ich einmal in der Secession und da gab [e]s eine Ausstellung dieser realistischen Künstler wie Hrdlicka, Frohner, Martinz, die ich damals also sehr … nicht verehrt habe … – denen ich nachgeeifert bin in meiner eigenen Produktion. Und im Obergeschoss der Secession stand ein … wahrscheinlich war es ein Super-8-Projektor oder so [et]was … und … warf also ein Bild, einen Film an die Wand. Und es war eine der ersten Kunstaktionen von Christo zu sehen, nämlich The Running Fence. Und ich kann mich noch ganz genau erinnern – also sozusagen aufgewärmt bis aufgeheizt durch die muskelbepackten Figuren des Alfred Hrdlicka in Bronze und in Marmor und in Sandstein – stand ich da oben und plötzlich gingen mir irgendwie die Augen auf für etwas, das vollkommen [als] etwas Konträres mir erschien, nichts anderes war als schön, es war ni[chts] and[e]res als schön: Diese grüne Wiese, und es haben sich da diese weißen Kunststoffbahnen im Wind bewegt, und es war keine rote Faust zu sehen und ni[chts]. Ein Sprung in der Entwicklung dieser beiden Künstler: Der Hrdlicka ist dort sozusagen geblieben – ich verehre ihn in der Zwischenzeit immer noch –, Christo hat den Reichstag verpackt und ist es deshalb, weil die Leute dort hingepilgert sind zu Zehntausenden und sich dort angeschaut haben ein verpacktes Gebäude, das nichts anderes bezweckte als verpackt zu sein und angeschaut zu werden. Und dem es gelungen ist, für dieses Projekt, für das er ja viele Jahre, ich glaube fünfzehn oder zwanzig Jahre, gekämpft hat und von dem, bevor es realisiert werden konnte, ein Drittel – so hab[e] ich gelesen – der Bundesdeutschen auf eine Befragung hin gesagt haben, das ist schön, und zwei Drittel haben gesagt, das ist Unsinn und das brauchen wir nicht oder wie auch immer es formuliert [war] … und nach dieser Aktion war das umgekehrt, das heißt zwei Drittel der Deutschen haben plötzlich Gefallen an so etwas gefunden. Ich weiß nicht, wie die Fragestellung war und ich weiß auch nicht ganz genau die Antworten, aber – und darum geht [e]s mir jetzt aber auch gar nicht –, also, was ich eigentlich mit diesem Beispiel sagen will, ist sozusagen mein Zweifel, dass das, was als politische Kunst daherkommt, weil es das Taferl halt d[a]raufgesteckt bekommen hat, auch unbedingt wirklich die politische Kunst sein muss, und anderes, was scheinbar so unpolitisch erscheint, das Etikett l’art pour l’art aufgelegt bekommt. Also, ich bin da unsicher bzw. denk[e] mir immer, ich muss mir das anschauen, worum es da geht, und dann bilde ich mir meine Meinung, ob mir das als politisch erscheint, als politisch relevant, oder nicht.

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