Archive for the 'stylianos schicho' Category

Stylianos Schicho 08

Stylianos Schicho, painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/37_stylianos.mov

Der Kunstmarkt – den kann man sowieso, glaub[e] ich, nicht wegblenden, der ist da, ob man ihn jetzt füttert oder streichelt, der kommt sicher irgendwann. Und – wie Du[, Leander Kaiser,] auch gesagt hast -: man muss ja davon auch leben, man ist auch angewiesen auf den Kunstmarkt. Und natürlich, durch diese Wiederholbarkeit und Verbreitung – das sind Mechanismen, mit denen man sich [einfach] auskennen muss […].

Stylianos Schicho 07

Stylianos Schicho, painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/31_stylianos.mov

SSCH:
Deswegen hat das Fernsehen einen sehr wichtigen Stellenwert. […] Leider wird man sehr eingelullt, und wahrscheinlich mit gutem Gewissen kann man sich kollektiv verblöden […]. Es ist wie im Internet: man muss wirklich wissen, was man sucht, ob man das überhaupt findet ist wieder eine andere Frage. […] Man muss wirklich sich bewusst sein Programm heraussuchen. Aber viele Leute brauchen den Rhythmus, sie brauchen 20:15, die ZIB und dann den Wetterbericht, und dann gehen sie schlafen ….

http://www.datonet.at/kanonmedia/32_stylianos_ar.mov

AR:
Das lässt einen auch sozusagen mit Sicherheit ohnmächtig sein.

SSCH:
Ja.

AR:
Diese Beruhigung: es macht nichts, wenn du jetzt ohnmächtig bist.

SSCH:
Ja. Weil man nicht alleine ist. Weil der Nachbar auch ohnmächtig ist.

AR:
Weil: alle sind ohnmächtig.

SSCH:
Und das tut gut, weil wir alle gemeinsam [sind].

AR:
Aber eine Chance, Superstar zu werden, gibt es ja vielleicht doch. Man weiß ja nie. […]

SSCH:
Mittlerweile kann man ja schon – so bei Starmania – mitentscheiden. Das erinnert mich natürlich auch an die Gladiatoren, […] Oder Talkshows, wo ich sogar fast glaub[e], dass man die Würde – das klingt jetzt ganz arg – des Menschen wirklich verkauft, um ein bisschen Ruhm oder Sozialstatus zu erlangen: dass man in einer Talkshow war, und das sind dann Menschen, die [damit] auf Tournee gehen […].

Auch die Grenzen muss man immer höher legen, die Inhalte, um in so eine Talkshow überhaupt [hinein] zu kommen. Es gibt ja schon so sozialpornographische [Faktoren, Ergänzung Ar.] Es geht wirklich um das Intimste, und das wird dann verkauft.

Stylianos Schicho 06

Stylianos Schicho, painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/30_stylianos.mov

SSCH:
Mir ist es einmal aufgefallen, weil ich einmal längere Zeit nicht ferngesehen hab[e] – es war so ein Jahr – und dann wieder [ein]mal kurz reingezappt hab[e] – […] natürlich viele Programme -, dass es schon sich verändert. Mir fällt auf, dass relativ ständig entweder einem [et]was verkauft wird, also, ich merke, dass sie darum kämpfen, dass ich jetzt nicht umschalt[e] – ob das jetzt in einer Sitcom ein Satz ist, in dem viele Witze vorkommen oder in 15 Minuten zehn Probleme gelöst werden – welche Serien es auch immer gibt.

[…] Es gibt inzwischen für jede Berufsgruppe mittlerweilen schon eine eigene Soap – gute Ärzte, schlechte Ärzte, […] ich weiß nicht, Schönheitschirurgen, …

AR:
Laienköche.

SSCH:
Laienköche oder das größte Schnitzel Europas, welcher Koch wo [….] Früher war es wahrscheinlich einmal besser natürlich, da war Information wahrscheinlich wichtiger. Also, man kann sich, glaub[e] ich, nicht mehr viel ansehen. Es ist immer nur Unterhaltung – außer Universum und Arte und natürlich Euronews. Aber […] der Fernseher an sich wird sozusagen durch dieses Serielle …,

LK:
Und Gesprächspartner, der deine Aufmerksamkeit aufspießen will.

SSCH:
… der wird zum Familienmitglied sozusagen.

Stylianos Schicho 05

Stylianos Schicho, painter, A

SB:
Wenn wir im Kino oder im Fernsehen zwei Leute eine Liebesszene spielen sehen, dann haben wir ja nicht das Gefühl, wir sind Voyeur, sondern wir glauben, die sind gerade ungestört und haben da ihre Intimität, sie können da intim sein und ich bin gar nicht dabei.

SSCH:
Ja.

SB:
Und die Bilder die Du[, Stylianos Schicho,] malst: dadurch dass […] man diese Perspektive der Überwachungskameras einnimmt und die Figuren einen angucken, hat man immer das Gefühl, man stört gerade.

SSCH:
Genau.

Deswegen auch das mit dem Theatralischen – ich mag das nicht. In meinen Bildern versuche ich nicht theatralisch zu sein. Ich versuche keine Geschichte zu erzählen, im Gegenteil. Man könnte es eigentlich so vergleichen: wie im Theater die Schauspieler gerade merken, dass da ein Zuschauer sitzt und der Zuschauer gerade merkt, dass der Schauspieler einen Zuschauer sieht. Auf einmal hört alles auf. Und genau diesen Moment, dieses Erkennen, eine Art Stillstand – ich mal[e] das Nachdenken über diesen Moment.

Natürlich mal[e] ich gegenständlich, und jeder Gegenstand erzeugt eine Geschichte im Kopf: was haben die vorher gemacht? Was haben die nachher gemacht? Aber im Endeffekt geht es mir nur um diesen Moment, dieses Erkennen. Und das möchte ich natürlich durch diesen Blick auch, diese Schnittstelle, dieses Angeschaut werden, also, das ist […] wie ein USB, wie nennt man das? …wire. Wie so ein Kabel [… eben], wo dieser Austausch geht.

Ob das jetzt formuliert ist oder nicht, man spürt es. […] Ich versuche auf dieser Ebene zu arbeiten. Natürlich, die Geschichte ist wichtig, weil […] ich [das] ja auch spiegeln will. Natürlich. Was sich vor den Bildern abspielt und was im Bild passiert, ob das im öffentlichen Raum oder jetzt im Museum ist. Deswegen: der gemeinsame Nenner ist der Mensch an sich.

[…] Die sind meistens sehr großformatig, die Bilder, und es sind eben diese Gruppen und dieses Gruppenverhalten. Und auf einmal passiert etwas. Und was sich vor dem Bild abspielt und im Bild, das versuch[e] ich eben zu verbinden und eben nicht, dass das Bild jetzt dem Betrachter eine Geschichte erzählt, sondern dass beide auf einmal merken – ich versuch[e] immer, das Bild zum Leben erwecken, aber … das Bild ist eben das Bild, aber es passiert [… eben] dann, dass es zu einem Moment kommt, wo man stehen geblieben [ist], also nicht stehen geblieben, es bewegt sich noch … Es ist jetzt kein Schnappschuss, also wie die Digitalkamera – dieses Einfrieren eines Moments -, im Gegenteil. Es ist einfach in einem Riesengewirr, wo alles sich bewegt, auf einmal ein gewisses Moment, wo man irgendetwas erkennt und es still, kontemplativ und ruhig [ist]. Und deswegen ist man gestört, [deswegen] ist dieser Moment sehr wichtig.

Stylianos Schicho 04

Stylianos Schicho, painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/21_stylianos.mov

Im Bild ist es ja so, dass ich mich mit alltäglichen Dingen auseinander setz[e], wie z.B. auch mit Spielkonsolen oder was auch immer für Gegenständen, die da eine Art Veränderung durch ihr Umfeld wieder bekommen. Also: das kann dann wieder etwas ganz anderes bedeuten in der Symbolik, in dieser ganzen Szene – […] ein Billa-Sackerl kann eine ganz andere Rolle spielen als ein Billa-Sackerl – , […] das ist dann schon eine Art Arbeit.

Oder ob das beim Theater wahrscheinlich der Übergang von der einen Maske zur anderen Maske [ist]? Wie das funktioniert? Ob das mit dem Bühnenbild zusammenspielt, wie ein Raum zu einem anderen Raum werden kann? [Das ist] wahrscheinlich eines der schwierigen Dinge, […] die man bewältigen muss und – als Beobachter jetzt – man das wahrscheinlich zulassen muss. Entweder lässt man sich darauf ein und man empfindet das jetzt als echt [….] Ich geh[e] nie mit dem Gedanken hinein: ah, das ist nur ein Schauspieler, der spielt das jetzt nur. Also: ich muss mich jetzt darauf einlassen, dass diese Geschichte eine Geschichte [ist].

Ich frage mich, wie ist das für einen Regisseur der ins Theater geht? Sieht der dann immer hinter die Kulissen, wie das alles funktioniert oder kann man dann einfach umschalten und sich dann einfach nur das Theaterstück, das Stück an sich, wie es ursprünglich ist, [ansehen]? […] Wie funktioniert es? Verschieden. Der Regisseur nimmt es anders wahr, der Abonnent, der noch kein Vorwissen hat, nimmt es anders wahr. Also: man lässt sich ein, und dann fließt das ganz einfach, und die Verwandlung nimmt man mit, und das ist dann einfach dieses gewisse Etwas ….

AR:
Es dreht sich etwas.

SSCH:
Es dreht sich etwas ….

AR:
Es gibt eine Verwandlung ….

SSCH:
Universal: man kann sagen, es ist etwas passiert, und das war vielleicht pädagogisch gut oder man hat etwas gespürt. Man spürt es einfach – glaube ich -, ob man jetzt vor dem Bildschirm oder im Theater sitzt.

Stylianos Schicho 03

Stylianos Schicho, painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/6_stylianos.mov

AR:
[…] Hat die Kunst einen ethischen Auftrag? […] Erzieherisch – im weitesten Sinne könnte man sagen – ist ethisch. Hat Kunst einen ethischen Auftrag, hat das die Malerei?

SSCH:
Das ist eine schwierige Frage. Also‚ Reflex: ja, natürlich. Und mit welchen Mitteln? Die Kunst reagiert natürlich, glaube ich, auch immer […] auf ihr Umfeld, sie […] sagt Autsch, wenn irgendetwas schmerzhaft ist, sie kann Dinge auch aufzeigen und beleuchten, anders darstellen …. Ich weiß nur von meiner Arbeit her: es ist so, dass ich extrem auf mein Umfeld reagiere, ich bin mittendrin, ich erlebe gewisse Phänomene, ob das gesellschaftspolitische Phänomene sind, auch persönliche, die vielleicht formal dann auch deckungsgleich sind, ob das die Kontrolle ist, die Überwachung, die Kommunikation, und das sind Dinge, die spürt man wie eine Art Sensor, man nimmt sie auf, [..] der Künstler, glaube ich, … also, ich bin mir dann oft nicht gleich bewusst, ich habe dann eine Art Ahnung, und das muss jetzt raus, und das Malen an sich ist ja für mich nicht nur eine Idee und dann mal[e] ich das [… aauf die Leinwand] und dann ist es da – wie gesagt, die Malerei hat keinen Anfang und kein Ende, es ist eine Art von mehrdimensionaler Gleichzeitigkeit, es ist einfach ein Bild. Und dieses Bild steht [für sich, Anm. AR].

Mir ist schon klar, dass es heute immer schwieriger wird, isoliert das Bild zu betrachten, ich komme zurück zu dieser interdisziplinären Wahrnehmung: natürlich, weil heutzutage dadurch, dass alles viel schneller geht, alles viel dreidimensionaler ist, alles mit Bewegung, mit Musik gekoppelt ist, ob das jetzt interaktive Computerspiele sind oder auch […] Kommunikation in Chat Rooms oder facebook oder die sms, also: man ist ständig eigentlich empfangsbereit, sagen wir es einmal so, das ist dann so eine Art Wahrnehmungsvermögungsfonds vielleicht, und dann ist es natürlich schwierig für die [derzeitige, Anm. AR] Generation. Eben auch [für] jüngere Leute ist es irrsinnig schwierig, im generellen Feld sich ein Bild anzuschauen, weil [sich das dann] ja […] umkehrt, also: da bewegt sich nicht etwas vor mir, also: ich im Zuschauerraum vor [de]m Theater und ich bekomme etwas, ob das jetzt eine Geschichte ist oder …, also: da passiert das Umgekehrte. Theoretisch ist das Bild dann der Zuschauer, und in meinem Kopf soll sich [et]was abspielen, also: es ist natürlich dann ganz schön schwierig.

http://www.datonet.at/kanonmedia/7_stylianos.mov

Es [das Bild, Anm. AR] erzählt mir dann mehr als ich es frag[e]. […] Ich frag[e] natürlich, ich zeig[e] natürlich Dinge, ich möchte Dinge selber zeigen, ich hab[e] gewisse Dinge gelernt, – […] sagen wir jetzt Handwerk -, obwohl das Handwerk […] auch eine Art ….: also, das Handwerk ist jetzt eben nicht dazu da, dass ich dieses Glas da abzeichnen kann, schön und ordentlich, [… es] geht […] darum, dass ich das Glas versteh[e]. Eigentlich geht es mehr darum, die Dinge zu verstehen, weil man eigentlich nur das, was man weiß, auch darstellen kann. […] Es geht nicht um das direkte Abbilden von irgendwelchen schon vorgegebenen Dingen – ich könnte es am besten beschreiben mit einer Ikea-Einrichtung, mit einer Wohnung, und ich hab[e] Ikea-Möbel, [… und] es geht nicht darum dass ich diese Ikea-Möbel schön dort hinstelle, sondern dass ich sie verschiebe, dass ich sie zersäge, neu lackier[e] – was auch immer . Und was mich interessiert, sind diese Schleifspuren am Boden, sagen wir es einmal so.

http://www.datonet.at/kanonmedia/8_stylianos.mov

Und diese Spuren, das ist eine Art Dialog, und das lebt. Nach einem gewissen Zeitpunkt, an dem ich […] mich versuche, möglichst authentisch versuche, mich selbst einzubinden in das Kunstwerk, bekomme ich auch etwas zurück. Es verselbständigt sich, und das ist natürlich manchmal ein unangenehmes Unterfangen. Und ob das jetzt ethisch ist? Also, ich empfinde so wie jeder andere Mensch, und das, was mich stört, das, was ich hasse oder liebe, das fließt alles mit ein in die Kunst.

Stylianos Schicho 02

Stylianos Schicho, painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/stylianos_1.mov

SSCH:
Ich hab[e] vor drei Jahren Diplom gemacht – an der Universität für angewandte Kunst -, und das waren sieben Jahre lang eine schöne, behütete Zeit, in der natürlich wir mit allem Möglichen konfrontiert waren [...]. Ich habe herausgefunden, dass wir in einer Zeit leben, wo wir uns wirklich alles auf einem Tisch uns hinlegen konnten, die Kunst an sich, die es gegeben hat, und wir konnten beurteilen. Es war relativ frei, also, wir konnten uns wirklich entscheiden – vielleicht schon zu frei, und dadurch, dass – so habe ich reagiert – dadurch, dass die Postmoderne … Duchamp … [...] Irgendwie war das für mich irgendwann [ein]mal langsam ausgelutscht, also, ich konnte die Reproduzierbarkeit – diese per Knopfdruck -, wie die Kunst, die unter der Wahrnehmungsschwelle gut erklärt ist in 300 Seiten … irgendwann einmal hat das eine Flut ergeben, und ich konnte als Student damit nicht mehr soviel anfangen. Und ich wollte dann wieder – wie soll ich sagen – die Aura zurückholen, ich wollte einfach wieder etwas spüren. Und ob man jetzt einen Weg zurücklegt oder ob man sich anstrengt, also: ich hab mich dann bewusst für das Tafelbild [entschieden] – das Tafelbild ist ja an sich schon belastet, auch während des Studiums war die Tatsache, dass ich mich überhaupt entschieden hab[e, ...] eine Leinwand zu bemalen, ist schon ein Statement gewesen im Kunstbetrieb. Obwohl das nichts ist im Endeffekt, also: ob das ein ausgeschalteter Computerbildschirm ist oder ein Computer oder [...], erst das, was dann darauf passiert[, zählt.] Natürlich hat die Leinwand einen Anfang und ein Ende, aber dieses System habe ich irgendwie gebraucht, um das zu durchbrechen. Also: ich hab[e] mich bewusst für das Tafelbild entschieden.

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