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AR:
[…] Hat die Kunst einen ethischen Auftrag? […] Erzieherisch – im weitesten Sinne könnte man sagen – ist ethisch. Hat Kunst einen ethischen Auftrag, hat das die Malerei?
SSCH:
Das ist eine schwierige Frage. Also‚ Reflex: ja, natürlich. Und mit welchen Mitteln? Die Kunst reagiert natürlich, glaube ich, auch immer […] auf ihr Umfeld, sie […] sagt Autsch, wenn irgendetwas schmerzhaft ist, sie kann Dinge auch aufzeigen und beleuchten, anders darstellen …. Ich weiß nur von meiner Arbeit her: es ist so, dass ich extrem auf mein Umfeld reagiere, ich bin mittendrin, ich erlebe gewisse Phänomene, ob das gesellschaftspolitische Phänomene sind, auch persönliche, die vielleicht formal dann auch deckungsgleich sind, ob das die Kontrolle ist, die Überwachung, die Kommunikation, und das sind Dinge, die spürt man wie eine Art Sensor, man nimmt sie auf, [..] der Künstler, glaube ich, … also, ich bin mir dann oft nicht gleich bewusst, ich habe dann eine Art Ahnung, und das muss jetzt raus, und das Malen an sich ist ja für mich nicht nur eine Idee und dann mal[e] ich das [… aauf die Leinwand] und dann ist es da – wie gesagt, die Malerei hat keinen Anfang und kein Ende, es ist eine Art von mehrdimensionaler Gleichzeitigkeit, es ist einfach ein Bild. Und dieses Bild steht [für sich, Anm. AR].
Mir ist schon klar, dass es heute immer schwieriger wird, isoliert das Bild zu betrachten, ich komme zurück zu dieser interdisziplinären Wahrnehmung: natürlich, weil heutzutage dadurch, dass alles viel schneller geht, alles viel dreidimensionaler ist, alles mit Bewegung, mit Musik gekoppelt ist, ob das jetzt interaktive Computerspiele sind oder auch […] Kommunikation in Chat Rooms oder facebook oder die sms, also: man ist ständig eigentlich empfangsbereit, sagen wir es einmal so, das ist dann so eine Art Wahrnehmungsvermögungsfonds vielleicht, und dann ist es natürlich schwierig für die [derzeitige, Anm. AR] Generation. Eben auch [für] jüngere Leute ist es irrsinnig schwierig, im generellen Feld sich ein Bild anzuschauen, weil [sich das dann] ja […] umkehrt, also: da bewegt sich nicht etwas vor mir, also: ich im Zuschauerraum vor [de]m Theater und ich bekomme etwas, ob das jetzt eine Geschichte ist oder …, also: da passiert das Umgekehrte. Theoretisch ist das Bild dann der Zuschauer, und in meinem Kopf soll sich [et]was abspielen, also: es ist natürlich dann ganz schön schwierig.
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Es [das Bild, Anm. AR] erzählt mir dann mehr als ich es frag[e]. […] Ich frag[e] natürlich, ich zeig[e] natürlich Dinge, ich möchte Dinge selber zeigen, ich hab[e] gewisse Dinge gelernt, – […] sagen wir jetzt Handwerk -, obwohl das Handwerk […] auch eine Art ….: also, das Handwerk ist jetzt eben nicht dazu da, dass ich dieses Glas da abzeichnen kann, schön und ordentlich, [… es] geht […] darum, dass ich das Glas versteh[e]. Eigentlich geht es mehr darum, die Dinge zu verstehen, weil man eigentlich nur das, was man weiß, auch darstellen kann. […] Es geht nicht um das direkte Abbilden von irgendwelchen schon vorgegebenen Dingen – ich könnte es am besten beschreiben mit einer Ikea-Einrichtung, mit einer Wohnung, und ich hab[e] Ikea-Möbel, [… und] es geht nicht darum dass ich diese Ikea-Möbel schön dort hinstelle, sondern dass ich sie verschiebe, dass ich sie zersäge, neu lackier[e] – was auch immer . Und was mich interessiert, sind diese Schleifspuren am Boden, sagen wir es einmal so.
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Und diese Spuren, das ist eine Art Dialog, und das lebt. Nach einem gewissen Zeitpunkt, an dem ich […] mich versuche, möglichst authentisch versuche, mich selbst einzubinden in das Kunstwerk, bekomme ich auch etwas zurück. Es verselbständigt sich, und das ist natürlich manchmal ein unangenehmes Unterfangen. Und ob das jetzt ethisch ist? Also, ich empfinde so wie jeder andere Mensch, und das, was mich stört, das, was ich hasse oder liebe, das fließt alles mit ein in die Kunst.