
SB:
Wenn wir im Kino oder im Fernsehen zwei Leute eine Liebesszene spielen sehen, dann haben wir ja nicht das Gefühl, wir sind Voyeur, sondern wir glauben, die sind gerade ungestört und haben da ihre Intimität, sie können da intim sein und ich bin gar nicht dabei.
SSCH:
Ja.
SB:
Und die Bilder die Du[, Stylianos Schicho,] malst: dadurch dass […] man diese Perspektive der Überwachungskameras einnimmt und die Figuren einen angucken, hat man immer das Gefühl, man stört gerade.
SSCH:
Genau.
Deswegen auch das mit dem Theatralischen – ich mag das nicht. In meinen Bildern versuche ich nicht theatralisch zu sein. Ich versuche keine Geschichte zu erzählen, im Gegenteil. Man könnte es eigentlich so vergleichen: wie im Theater die Schauspieler gerade merken, dass da ein Zuschauer sitzt und der Zuschauer gerade merkt, dass der Schauspieler einen Zuschauer sieht. Auf einmal hört alles auf. Und genau diesen Moment, dieses Erkennen, eine Art Stillstand – ich mal[e] das Nachdenken über diesen Moment.
Natürlich mal[e] ich gegenständlich, und jeder Gegenstand erzeugt eine Geschichte im Kopf: was haben die vorher gemacht? Was haben die nachher gemacht? Aber im Endeffekt geht es mir nur um diesen Moment, dieses Erkennen. Und das möchte ich natürlich durch diesen Blick auch, diese Schnittstelle, dieses Angeschaut werden, also, das ist […] wie ein USB, wie nennt man das? …wire. Wie so ein Kabel [… eben], wo dieser Austausch geht.
Ob das jetzt formuliert ist oder nicht, man spürt es. […] Ich versuche auf dieser Ebene zu arbeiten. Natürlich, die Geschichte ist wichtig, weil […] ich [das] ja auch spiegeln will. Natürlich. Was sich vor den Bildern abspielt und was im Bild passiert, ob das im öffentlichen Raum oder jetzt im Museum ist. Deswegen: der gemeinsame Nenner ist der Mensch an sich.
[…] Die sind meistens sehr großformatig, die Bilder, und es sind eben diese Gruppen und dieses Gruppenverhalten. Und auf einmal passiert etwas. Und was sich vor dem Bild abspielt und im Bild, das versuch[e] ich eben zu verbinden und eben nicht, dass das Bild jetzt dem Betrachter eine Geschichte erzählt, sondern dass beide auf einmal merken – ich versuch[e] immer, das Bild zum Leben erwecken, aber … das Bild ist eben das Bild, aber es passiert [… eben] dann, dass es zu einem Moment kommt, wo man stehen geblieben [ist], also nicht stehen geblieben, es bewegt sich noch … Es ist jetzt kein Schnappschuss, also wie die Digitalkamera – dieses Einfrieren eines Moments -, im Gegenteil. Es ist einfach in einem Riesengewirr, wo alles sich bewegt, auf einmal ein gewisses Moment, wo man irgendetwas erkennt und es still, kontemplativ und ruhig [ist]. Und deswegen ist man gestört, [deswegen] ist dieser Moment sehr wichtig.