
http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_5_ps.mov
AR:
[Paul Stepan, Anm. AR.,] Du bist ja Kulturökonom und auch Creative Industries-versiert, kennst die Debatte sehr gut. Wie siehst Du das? […] Spannend auch aus diesen Ausführungen heraus ist für mich da z.B die Fragestellung: wie sieht [e]s da um ein Bewusstsein um soziale Fragestellungen, […] um die eigene soziale Positionierung unter KünstlerInnen aus? Kommt das überhaupt vor in den zeitgenössischen Überlegungen? Gibt es da wirklich so einen Unterschied zwischen Österreich und anderen Nationen, dass KünstlerInnen viel mehr noch immer – sei [e]s nicht ein Genietum, aber sozusagen auch – auf das eigene Besondere, also auf die Superstar-Rolle hinarbeiten oder ist das etwas, das künstlerischer Identität so innewohnt, dass da soziale Aufgabenstellungen von KünstlerInnen gar nicht im Bereich der Überlegungen wirklich vorkomm[en]?
Oder: wie äußert sich das – gibt es da aus der Kulturtheorie, aus der zeitgenössischen Reflexion wichtige Überlegungen?
Paul Stepan:
Naja, zum einen: Du hast jetzt in der Studie das Sample – [das] bezieht sich auf Künstler, Künstlerinnen, und Du hast es dann gegen geblendet gegen die Studien aus den Creative Industries – die umfassen ein komplett anderes Sample natürlich.
Marie Ringler:
Ja.
PS:
[…] Da würd[e] ich sogar sagen: seriöserweise sollte man in dem Sample der Creative Industries die Kunst [he]rausrechnen, weil wenn man die Kunst in die Creative Industries mit [hin]einzieht, dann kommt man in Teufels Küche mit dem Wettbewerbsrecht.
AR:
Was heißt das genauer?
PS:
Das heißt ganz einfach … also, man kann es international sehen: es gibt die UNESCO Konvention zu Cultural Industries …
AR:
Ja, zu kultureller Vielfalt.
… und zur kulturellen Vielfalt. Und wenn man jetzt da Kunst drinnen hat, ist das schön und gut. Wenn man sich allerdings dann wieder GATS und TRIPS anschaut, kann [e]s extrem gefährlich werden, wenn die[se] da drinnen sind. Denn dann schneidet man sich selbst den Ast ab, national, lokal Kunst zu fördern, d.h. man hat zwar dann auf der einen Seite schöne Lippenbekenntnisse zur kulturellen Vielfalt. Auf der anderen Seite: das, was gilt, ist Wettbewerbsrecht. Und damit ist die ganze kulturelle Vielfalt hinfällig, weil die[se] ist da nicht argumentierbar.