Archive for the 'paul stepan' Category

Paul Stepan 06

Paul Stepan, culture economist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_24_ps.mov

Gewinn hat sicher [ein] so negativ aufgeladenes Image. Und wenn man jetzt fragen würde: wollt ihr von dem leben können, was ihr da tut, dann würde jede/r ja sagen. Wenn man jetzt einfach Gewinn als Definition her nimmt: das ist Umsatz weniger Kosten. Das heißt, alles, was KünstlerInnen in der Regel als Einkommen haben, ist Gewinn.

Paul Stepan 05

Paul Stepan, culture economist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_10_ps.mov

Publikumsstimme:
Aber das ist ja bei anderen Berufssparten [genauso], also wie läuft das dann, wenn sich […] Kreative weniger bewegen können aus ihrem Umfeld als – was weiß ich – jemand, der Wirtschaft studiert oder Jus. Ich denke mir, jemand der Jus studiert, kann sich noch viel weniger bewegen als jemand Kreativer.

PS:
Nein. Er kann sich innerhalb der verschiedenen Branchen, innerhalb verschiedener Wirtschaftsbranchen gut bewegen. Er hat vielleicht […] Wettbewerbsrecht oder Urheberrecht oder was immer [studiert], aber er kann sich innerhalb der Branchen zumindest bewegen.

Publikumsstimme:
Wieso jemand, der Industrial Design studiert hat oder Malerei, nicht so?

PS:
Industrial Design eher.

Publikumsstimme:
[…] Fotografie?

PS:
Schreib’ eine Bewerbung an Siemens, sag’, du hast Malerei studiert und du würdest jetzt gerne Malerei bei Siemens machen ….

[Lachen im Publikum …].

Paul Stepan 04

Paul Stepan, culture economist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_9_ps.mov

Das zum einen, zum anderen: für Kunst, also für den engeren Bereich Kunst, wundern mich die Zahlen, die Du[, Alexandra Reill., Anm. AR.] [he]rausbekommen hast, eigentlich relativ wenig. Es hat auch eine Studie gegeben, ich habe jetzt leider vergessen, von wem die[se] war, von einer Absolventin der Angewandten [Universität für angewandte Kunst in Wien, Anm. AR.] über AbsolventInnen der Angewandten […]: wo AbsolventInnen der Angewandten letztlich dann arbeiten, und ob sie eine Arbeit finden […] und ob sie dann Jobs finden, die überhaupt irgend[et]was mit einer Ausbildung zu tun haben. Und die Ergebnisse – ich hab[e] jetzt keine Prozentzahlen im Kopf -, aber die[se] waren sehr eindeutig. Wenn ich mir jetzt die WU [Wirtschaftsuniversität Wien, Anm. AR.] anschau[e] …

MR:
Eindeutig gut oder eindeutig schlecht?

PS:
Eindeutig schlecht: dass sehr, sehr wenige dann einen Job finden, der [et]was mit der Ausbildung zu tun ha[t]. Wenn ich mir die WU anschau[e], dann ist das System ja relativ ähnlich. Es gibt wenige Superstars, die aus der WU dann [he]rauskommen und irgendwie Riesenmanager werden. Die anderen sind dann Buchhalter. Es hat noch immer etwas mit ihrer Ausbildung zu tun. Und das ist eben in der Kunst und im Kulturbereich, wo der Platz nicht da ist. […] Es ist kein integrierter Arbeitsmarkt da. Leute, die in Kunst und Kultur arbeiten, können nur dort arbeiten. Je kreativer, desto weniger sind ihre Möglichkeiten, sich zu bewegen. Ein Buchhalter, der in einer Branche, in der Luftfahrt, nicht reussiert oder [bei dem] die Firma zusperrt, geht zur nächsten Firma in die Stahlindustrie und dann in die Autoindustrie. Es ist egal, die Tätigkeit ist die gleiche. Der Künstler, der im Kunstfeld nicht reussiert, kann nicht in die Autoindustrie gehen.

Paul Stepan 03

Paul Stepan, culture economist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_8_ps.mov

Auf der anderen Seite würden dann Amerikaner sagen können: na ja, bei uns ist alles ok, weil es ist ja abgesprochen, Ihr könnt ja kommen und privates Sponsoring einholen. Man wird keine Chance haben, weil man die Netzwerke nicht hat, die Kontakte nicht hat, etc., etc. Und damit würde man sich auch sehr wohl den Ast abschneiden für lokale, nationale Kulturförderung. Das ist eben ein europäisches System, so wie es eigentlich gebaut ist. Und deswegen würde ich eher dafür plädieren, dass man überhaupt die Kunst aus den Creative Industries jetzt herausrechnet.

Paul Stepan 02

Paul Stepan, culture economist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_7_ps.mov

Wenn man bei diesen GATS und TRIPS[-Agreements, Anm. Ar.], also wenn man Kunst hineinzählt in [die] Creative Industries, und dann solche Agreements wie GATS und TRIPS erweitert werden, dann kommt [e]s einfach dazu, dass – [… z.B., Anm. Ar.] irgendeine amerikanische Museumskette hergehen kann, ein Museum irgendwo in Europa hin stell[t] und sag[t]: ok, wir wollen auch eine öffentliche Förderung haben, ansonsten ist das Wettbewerbsverzerrung. Gut. Dann wird man ziemlich schnell dorthin kommen, dass man sagt: ok, das können wir uns jetzt nicht leisten. Wir können uns jetzt in Österreich sicher keine 30 Museen leisten, in der Größe des kunsthistorischen Museums, die [… wir] alle in der gleichen Art und Weise fördern müssen.

Paul Stepan 01

Paul Stepan, culture economist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_5_ps.mov

AR:
[Paul Stepan, Anm. AR.,] Du bist ja Kulturökonom und auch Creative Industries-versiert, kennst die Debatte sehr gut. Wie siehst Du das? […] Spannend auch aus diesen Ausführungen heraus ist für mich da z.B die Fragestellung: wie sieht [e]s da um ein Bewusstsein um soziale Fragestellungen, […] um die eigene soziale Positionierung unter KünstlerInnen aus? Kommt das überhaupt vor in den zeitgenössischen Überlegungen? Gibt es da wirklich so einen Unterschied zwischen Österreich und anderen Nationen, dass KünstlerInnen viel mehr noch immer – sei [e]s nicht ein Genietum, aber sozusagen auch – auf das eigene Besondere, also auf die Superstar-Rolle hinarbeiten oder ist das etwas, das künstlerischer Identität so innewohnt, dass da soziale Aufgabenstellungen von KünstlerInnen gar nicht im Bereich der Überlegungen wirklich vorkomm[en]?

Oder: wie äußert sich das – gibt es da aus der Kulturtheorie, aus der zeitgenössischen Reflexion wichtige Überlegungen?

Paul Stepan:
Naja, zum einen: Du hast jetzt in der Studie das Sample – [das] bezieht sich auf Künstler, Künstlerinnen, und Du hast es dann gegen geblendet gegen die Studien aus den Creative Industries – die umfassen ein komplett anderes Sample natürlich.

Marie Ringler:
Ja.

PS:
[…] Da würd[e] ich sogar sagen: seriöserweise sollte man in dem Sample der Creative Industries die Kunst [he]rausrechnen, weil wenn man die Kunst in die Creative Industries mit [hin]einzieht, dann kommt man in Teufels Küche mit dem Wettbewerbsrecht.

AR:
Was heißt das genauer?

PS:
Das heißt ganz einfach … also, man kann es international sehen: es gibt die UNESCO Konvention zu Cultural Industries …

AR:
Ja, zu kultureller Vielfalt.

… und zur kulturellen Vielfalt. Und wenn man jetzt da Kunst drinnen hat, ist das schön und gut. Wenn man sich allerdings dann wieder GATS und TRIPS anschaut, kann [e]s extrem gefährlich werden, wenn die[se] da drinnen sind. Denn dann schneidet man sich selbst den Ast ab, national, lokal Kunst zu fördern, d.h. man hat zwar dann auf der einen Seite schöne Lippenbekenntnisse zur kulturellen Vielfalt. Auf der anderen Seite: das, was gilt, ist Wettbewerbsrecht. Und damit ist die ganze kulturelle Vielfalt hinfällig, weil die[se] ist da nicht argumentierbar.

« Previous Page