Archive for the 'michael wimmer' Category

Michael Wimmer 03

Michael Wimmer, art mediator, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_22_mw.mov

MW:
Woran ich noch ein Stück weg „kiefle“, ist diese Geschichte, nämlich dass nur rd. 10%, also damit 4 von diesen 40 befragten Menschen, der Erwirtschaftung von finanziellen Gewinnen eine Bedeutung beimessen würden. Was ist mit den 90% der anderen?

AR:
Dazu muss man sagen, kurz nur um das zu erläutern […]: es waren Erläuterungen, die angegeben wurden, d.h. wir sind davon ausgegangen: wenn jemand ein Argument erläuternd anführt, dann sieht er[/sie] das als ein ihm[/r] wichtiges Argument an.

MW:
Ich möchte vielleicht einfach auf etwas anderes hinaus: es ist nämlich dieses ominöse Wort ‚Gewinn’ oder ‚mit Gewinnabsicht’, und es geht irgendwie dann zusammen mit Einkommen, Honorar, Verdienst usw. Und ich hör[e] immer heraus, dass Gewinn irgend[et]was ist, das eigentlich schlecht ist oder der Kunst abträglich ist.

Wir sind aber alle in irgendwelchen Beschäftigungsverhältnissen. Wir sind alle in Verhältnissen, wo finanzielle Transaktionen mit eine Rolle spielen, und dem entgehen so oder so Künstler[Innen], die sich so bezeichnen wollen, nicht.

Und damit ist noch nicht per se eine Gewinnabsicht im Sinne eines kommerziellen Geschäftes der Mehrwertproduktion verbunden, weil wenn ich ein Bild verkaufe oder an einer Auktion teilnehme, dann erwirtschafte ich möglicherweise etwas, tu[e] das aber nicht aus Gewinnabsicht heraus. Und da gehen die Begriffe noch ein Stück weg für mich auseinander.

Was mir auch auffällt: dort, wo die Leute dann ihre Intentionen erzählen – nämlich ‚ausdrücken’, ‚Inhalte in angemessener Weise formulieren’, ‚einen subjektiv authentischen Ausdruck zu machen’, ‚Reflexion’ oder ‚Veränderung von Perspektiven’, ‚die Welt verbessern’, ‚Anerkennung finden’ -, das kann ich eigentlich noch [… nicht] als Kunst oder künstlerspezifische Emanationen sehen. Das möchte ich auch, und ich denke, der Fleischermeister von nebenan möchte das auch, weil das sind ja sehr menschliche, persönliche Geschichten, die mit der ästhetischen Professionalität noch sehr beschränkt etwas zu tun haben.

Und von dort würde mir dann auch nicht genügen, hier eine Mindestsicherung als Lösung der Probleme zu verhandeln, um eben mich besser auszudrücken und die Welt zu verbessern, zu machen, sondern da würde ich schon auch einen bestimmten Anspruch, eine Positionierung von Künstlerschaft in der Gesellschaft sehen, und dann habe ich es eben mit einem komplexen Kontext zu tun, in dem meine Sachen, die ich produziere, auch ein Verhältnis zu andern finden müssen. Und Verkaufen ist da eine Dimension und all das, was Sie[, Franziska Maderthaner, Anm. AR.] jetzt dazu beschreiben, Steuererleichterungen und, und, und, sich in irgendeiner Form am Markt zu bewähren, ohne deswegen per se schon eine Gewinnabsicht haben zu müssen[, eine andere, Anm. AR.].

Die dahinter liegende Frage, die jetzt auch mit den Creative Industries zu tun hat, geht für mich ungefähr so, dass wir doch eine gesellschaftliche Entwicklung haben, die ein Stück weg von der materiellen Produktion hin zur immateriellen Produktion weiterführt, und wir sehen das allerorten, wie unsere ganze Gesellschaft ästhetisiert ist, kulturalisiert ist, mit Werten angereichert ist, und da glaub[e] ich in der Tat, dass hier auch Künstler und Künstlerinnen unglaubliche Weiter[entwicklung] jetzt schon leisten und auch in der Zukunft vermehrt leisten können.

Es hat aber [et]was damit zu tun, dass man [… dieses] geniale Künstlerbild, das isoliert, von niemandem beeinflusst, ohne irgendwelche Absichten hier produziert, vielleicht zumindest relativiert. Ich behaupte, Künstler sein kann nicht definiert werden, weil Kunst darf alles und Kunst kann alles, weist immer über sich hinaus, und trotzdem findet es in Kontexten statt, das kann ich nicht vermeiden, das hat [et]was mit Kommunikation zu tun. Und da spielen dann auch Ressourcenverteilungen, Umverteilung mit eine Rolle.

Aber so wichtig möglicherweise der Hinweis ist, die Kunstproduktion aus den Creative Industries heraus zu tun, so unübersehbar ist, dass in einer durchästhetisierten Welt Künstlerschaft weiter zu fassen ist. Und das tun auch Künstlerinnen und Künstler in vielfältiger Weise. Und diese gemischten Existenzen, die Ihr[, Team kanonmedia, Anm. AR.] ja hier ein Stück weg beschreibt, sind die Alltagsrealitäten der meisten, die in dem Geschäft tätig sind.

[Publikumsapplaus]

Michael Wimmer 02

Michael Wimmer, art mediator, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_12_mw.mov

Da würd[e] ich gerne noch einfügen, dass hier ein Stück Weg mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn ich mir die wirtschaftlichen Transformationsprozesse der letzten Jahre anschaue, wo ganze Industrien niedergegangen sind und die Leute gezwungen waren, neue Jobprofile zu entwickeln – sei es durch Umschulungen usw. -, ist es für viele Menschen in Österreich quasi selbstverständlich geworden, mehrere Karriereschritte im Laufe eines Berufslebens zu machen. Das wird noch hinterfragt – jetzt noch gerade zwischen Euch[, Paul Stepan und Alexandra Reill, Anm. AR.] -, ob das bei künstlerischen Tätigkeiten auch denkbar sein könnte.

Michael Wimmer 01

Michael Wimmer, art mediator, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_4_mw.mov

Ich bitte das einfach auch ein Stück weg mit Vorsicht zu betrachten. Ich sag[e da]s vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Ihr[, Team kanonmedia, Anm. AR] selber ja in diese Studie hineinschreibt, dass […] die Weltstars jetzt nicht drinnen sind, aber vielleicht auch einige bekannte Namen dabei. Worauf ich schlicht hinaus möchte, ist, dass wahrscheinlich noch nie so viel Kunst produziert worden ist wie jetzt gerade, und dass durchaus auch der von Ihnen[, Franziska Maderthaner, Anm. AR.] schon angesprochene Starkult eine wesentliche Rolle spielt dabei.

Und wenn wir schon beim Theoretisieren sind, habe ich manchmal den Eindruck, diese Art von künstlerischer Existenz ist auch eine Avantgarde von neoliberalistischen Tendenzen, nämlich dahingehend, dass sich dort die Konkurrenzgesellschaft am äußersten abbildet. Wir haben auf der einen Seite die Stars, die Weltmenschen, denen alle zujubeln, die wir gierig suchen in den Medien. Und wir haben auf der anderen Seite prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Wenigen und die Vielen – das haben wir immer mehr in allen gesellschaftlichen Bereichen, und wir haben es ganz exemplarisch eben auch in diesem Bereich. Weil: diese Studie sollte nicht vergessen machen, dass es eine Reihe von künstlerischen Existenzen gibt, die unglaublich privilegiert sind, die unglaublich abgesichert sind. Und sehr viele, die eigentlich dorthin wollen.

Und jetzt sind wir schon bei den vielen Maßnahmen, wo Sie[, Franziska Maderthaner, Anm. AR.] schon angefangen haben zu reden. Und in der Tat ist eine Vermittlungstätigkeit auch eine solche. Da müssen wir aber vorher überlegen: was sind denn die eigentlichen Beweggründe von denjenigen, die eine künstlerische Ausbildung anstreben – im Sinn einer Erweiterung des beruflichen Profils. Weil wir haben da auch eine lange Geschichte der Erstklassigkeit und der Zweitklassigkeit: nämlich diejenigen, die [e]s nicht schaffen, z.B. in eine Meisterklasse zu kommen, die werden [… eben] dann Lehrer oder Lehrerinnen „daweil“. Das ist in Österreich ganz besonders so. Das erleb[e] ich in anderen Ländern etwas anders, wo [e]s nämlich ganz selbstverständlich auch ein vollwertiges Berufsprofil ist – ästhetischer Arbeit, nämlich, das als Lehrer, als Vermittler auch zu machen. Ich glaub[e], da muss in Österreich auch mentalitätsmäßig noch ein ziemlich weiter Schritt gegangen werden, weil nach wie vor geht [e]s in erster Linie um die Auslese der ganz wenigen gegenüber den ganz vielen anderen, die Ihr[, Team kanonmedia, Anm. Ar.] hier in erster Linie beschreibt.

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