Archive for the 'leander kaiser' Category

Leander Kaiser 16

Leander Kaiser,painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/36_lk.mov

Einen gewissen Personenkult braucht man schon als Künstler, um zu überleben, das ist klar. Den musst du dir irgendwie schaffen – entweder durch Zurückhaltung oder durch Aufdringlichkeit, durch Lautheit oder Stillheit, je nachdem. Und es ist auch nicht immer dasselbe Publikum, das man erreicht, es sind ja immer ganz verschiedene Teile des Publikums, die man erreicht.

Aber die großen Stars müssen etwas in dieser Richtung sehr Deutliches haben, also, ein Cy Twombly muss z.B. persönlich nicht sehr utriert sein in seinen Stellungnahmen, eher ein geheimnisvoll hinten bleibendes Individuum sein. Ein Immendorff konnte immer ein lauthals existierendes Individuum sein. Das sind Rollen, natürlich, die müssen dann immer irgendwie stimmen.

Der Kunstmarkt, aus dem du kommst, sollte ein biss[chen] größer sein als der österreichische, nebenbei bemerkt. Die Chancen, aus dem österreichischen Kunstmarkt [heraus] ein Weltstar zu werden sind minimal, das sollte man anerkennen.

Leander Kaiser 15

Leander Kaiser,painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/35_lk.mov

Man kann unter Umständen auch so leben. […] Oder man muss auch so leben. Man würde es vielleicht sogar gerne betreiben, aber weißt Du, nehmen wir z.B. die Geschichte der Skandale: Skandale – [es] sind ja nur die erwünscht, die ins Konzept passen. Es ist nicht so, dass jeder Skandal, den ein Künstler macht, so den Erfolg gebracht hat. Es gibt sehr minimale Skandale – wenn du Nitsch oder so [et]was nimmst -, die sozusagen zu der Heroengeschichte dieses Künstlers [beigetragen haben] und die für ihn sozusagen ein wichtiges Propagandainstrument waren, etwa die Mistfuhre, die sie in Graz ausgeladen haben vor seiner Ausstellung oder so [et]was […]. Es gibt andere Formen. Für Österreich war das [… eben] sehr typisch vom Aktionismus – Anlass des Skandals, [der] ein Legitimationserfordernis der eigenen Progressivität als Künstler war. Da muss man eben immer einen [… dummen Typen, Anm. Ar.] finden, bei dem man anecken kann, um die Sache auch zustande zu bringen.

Leander Kaiser 14

Leander Kaiser,painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/33_lk.mov

Es machen sich Menschen sozusagen zu öffentlichen Werken, d.h. sie sind jetzt auf einmal nicht mehr nur sie selbst, sondern jemand, der für eine große Zahl von Zuschauern existiert, und [sie] erheben sich damit gewissermaßen in den Kunstwerkstatus – eine moderne Form eines theatralischen Verhaltens, eine sehr pointierte, wo eine ganze Lebensführung untergeordnet wird unter Umständen. Auch die Jeaninne Schiller oder so jemand, die Seitenblicke [Sendung im ORF, Anm. AR], die sind ja auch nichts anderes. Das ist auch nicht so interessant, bei solchen Veranstaltungen dabei zu sein. Es hat denselben Zweck: sozusagen über sein Bild zu existieren.

Jetzt kommt hier etwas anderes dazu: es ist nicht das Zeigen [von] etwas, sondern das Existieren über die eigene Doppelung der Erscheinung. Das ist also sozusagen, was man narzisstisch nennen könnte und das eine wichtige Form des Theatralischen heute ist, auch interdisziplinär.

Leander Kaiser 13

Leander Kaiser,painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/29_lk.mov

Ich glaub[e], das Spezifische von Fernsehunterhaltung ist nicht mehr das Amusement, sondern die Angst. Das wesen der Spannung ist die Angst. Das ist natürlich schon im antiken Theater vorgegeben – Katharsis hat mit dem Untergang des Helden zu tun, die[se] entsteht eben durch den Untergang des Helden und das Mitleiden beim Untergang des Helden. Das ist das zentrale Thema der Katharsis.

Aber wenn das sozusagen generalisiert wird, diese Technik der Anteilnahme, dann ist sie eigentlich als Form der Spannung Angst. Es ist eine Angstspannung. […] Die meist konsumierten Sendungen sind immer Krimis, Fußballübertragungen und dergleichen mehr. Bei Fußballübertragungen geht es auch um Angst – einerseits um die Identifikation unter Umständen mit einer Mannschaft, Angst um diese Mannschaft, [andererseits] Angst vor den Folgen des fehlerhaften Tuns dieser Mannschaft. Das werden wir jetzt sehr genießen in Österreich [bei der EM 2008, Anm. AR]

Also: hier sind Identifikationsmechanismen im Gang, die sehr viel mit Angst zu tun haben – medial. Und das ist eine ungeheure Überschwemmung mit Angstproduktion, die das Fernsehen ausmacht im Unterschied zur Tradition des Dramas, das nicht in dem Maß mit der Angstproduktion beschäftigt war, sondern Ängste nehmen wollte. Letztendlich war die Katharsis ja nicht gezielt auf die Produktion von Angst, sondern auf die Aufhebung von Angst.

Leander Kaiser 12

Leander Kaiser,painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/27_lk.mov

Tschauners Stehgreiftheater hatte nicht immer ein neues Thema. Das war eine Theatertradition eigentlich, die viel älter ist und wo Fortsetzungsromane, gewissermaßen, gespielt worden sind. Ich meine, es ist auch das Kasperltheater ein Fortsetzungsroman in Wirklichkeit, eine Sitcom für Kinder

Alexandra Reill 19

Alexandra Reill, media artist/film maker, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/25_ar.mov

AR:
Als Zuschauer: die dürfen da im Fernseher tun und lassen, was sie möchten, eigentlich hab[e] ich nie [et]was damit zu tun. Diese Nicht-Verantwortlichkeit wird mir sozusagen zugestanden, gleichzeitig lebt aber auch das Fernsehen ganz stark von Identifikation.

LK:
Das ist nicht dasselbe wie Identität. [..]

AR:
Nein, wie Identifikation, ich rede jetzt von Identifikation. Wie unterscheidet sich das z.B. vom Theater? Wie sind die Identifikations[prozesse]? Wie werden diese Identifikationsprozesse [im Fernsehen] angeregt im Unterschied zum Theater oder dann auch im Unterschied zur Malerei?

Leander Kaiser 11

Leander Kaiser, painter, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/24_lk.mov

Für den Betrachter selber erwarte ich mir eher nicht so sehr ein irritiertes Verhalten, […] ich mag eigentlich gar nicht die Irritation. […] Irritation findet auch selten, in Wirklichkeit, praktisch, nie statt. Das Sehen ist ein so intelligenter Sinn, das menschliche Sehen, das ist ja [… ohnehin] viel intelligenter als die meisten Bilder, weil jedes Bild, das wir [… sehen,] oder jeder Augenblick, in dem wir sehen hat eine höhere Komplexität in der Simultanität als alles, was in der bildenden Kunst möglich ist.

Das, was wir als Vorteil haben, ist ein biss[chen] eine Organisiertheit und ein Aufhalten der Zeit, d.h. das still stellen, und zugleich können wir still stellen und zugleich kann man vor den Bildern flanieren …. Ich erwarte mir von meinen Bildern eher, dass man sich ein bisschen nicht so wie der typische deutsche Betrachter [verhält], der in [ein] Museum geht – ich nenn[e] das Hab-Acht-Sehen: stellt sich vor jedes Bild, schaut, dann schaut er rechts unten, wo das Zettele ist, wer das ist, dann schaut er noch einmal zurück und dann geht er zum nächsten. Das nenne ich Hab-Acht-Sehen. Hab-Acht-Sehen, das kann man beim Militär lernen. Ich wünsch[e] mir eher einen Betrachter, der so vorbeigeht und auf einmal sich von einem Bild gefangen nehmen lässt, etwas davon mitnimmt, weitergeht, aber ohne jetzt diese Schritte so zu vollziehen.

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