Archive for the 'julia starsky' Category

Alexandra Reill 48

Alexandra Reill, media artist/film maker, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_48_jz.mov

Julia Starsky im Publikum:
Für mich sind da zwei Punkte: das eine ist eben dieses: Gewinnabsicht und Existenzsicherung, und das sind zwei völlig unterschiedliche Dnge. Und aber eben auch dieses: Gewinn jetzt im Sinne von symbolischem Kapital oder wie auch immer Kapital jetzt mit der Kunst zu erwirtschaften. Und da halt[e] ich die Kunst für schwer verdächtig, sich das schön zu reden, weil [e]s eigentlich kaum in einem anderen Beruf so viel symbolisches Kapital zu gewinnen gibt und so hohe Spannen zu erzielen sind, […] von Null bis Hundert. […] Ein Ding kann nichts wert sein und im nächsten Moment Millionen. Also, ich glaub[e], da ist schon sehr viel Gewinnabsicht dabei, bei jeder künstlerischen Tätigkeit sozusagen.

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_49_jz_ar.mov

Julia Starsky im Publikum:
Aber vielleicht liegt [e]s nur an der Formulierung. Ich finde das einfach irrsinnig irritierend zu sagen: mit keiner Gewinnabsicht. Das kann nicht sein. Das glaube ich nicht.

AR:
[…] Aber es liegt vielleicht auch an dem Maß an Orientiertheit an Marktwirtschaft. Es hängt auch davon ab, wie weit verfolge ich sozusagen oder promote auch eine Superstaridee, weil ich mich im Rahmen marktwirtschaftlicher Konditionierung verhalte? Weil: da ist das klar. Da muss ich auch, wie Du[, Franziska Maderthaner, Anm. AR.] vorher z.B. gesagt hast, der erfolgreichste Finanzmanager im besten Anzug – besser Armani als Boss – sein. Da geht das Hand in Hand mit einer Form von Identitätsprägung.

Da stellt sich vielleicht aber die Frage: welche anderen Formen von Identitätsfindung und -definition gibt [e]s erweiternd zu kapitalwirtschaftlicher, marktwirtschaftlicher Auffassung oder auch jenseits davon? Das ist vielleicht auch Thema, vielleicht auch zeitgenössisches Thema.

Alexandra Reill 42

Alexandra Reill, media artist/film maker, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_46_jz.mov

Julia Starsky im Publikum:
Keine Gewinnabsicht – das kommt mir in dem Zusammenhang total absurd vor, obwohl ich jetzt nicht weiß, welchen Begriff man jetzt vernünftiger einsetzen soll. Weil gerade in der Kunst: es gibt symbolisches Kapital. Und ich glaub[e], dass gerade Künstler mit einer immensen Gewinnabsicht einsteigen, nämlich sowohl Kapital als auch symbolisches Kapital zu erwerben. Ich kann mir fast keinen Beruf vorstellen, wo mehr Gewinnabsicht die treibende Kraft ist quasi zu tun.

Das wird sehr oft – meiner Ansicht nach – beschönigt, in vielen Zusammenhängen. Wenn ich jetzt nur Reputation nachrenn[e], ist es quasi keine Gewinnabsicht, obwohl symbolisches Kapital immer in Kapital umgewandelt werden kann von dem, der es kann.

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_47_ar.mov

Das ist vielleicht der Diskurs: wird da die Grundsicherung zu zu sicherem Boden oder braucht es den Impetus von Gewinnorientiertheit, um lebendige Weiterentwicklung von Kunst zu fördern? Ist ein alter Diskurs, kann man sagen, wo es immer diese unterschiedlichen Positionen gibt. Schwierig zu beantworten, natürlich. […] Da möchte ich für mich persönlich gerne eine Antwort geben: ich bräuchte die Gewinnabsicht dahingehend, dass ich von der Kunst leben muss, nicht unbedingt. Was ich von der Kunst für mich brauche, sind inhaltliche Ergebnisse. Dort suche ich Erkenntnisgewinne. Aber ob das jetzt sozusagen wirtschaftliche Gewinnorientiertheit oder wirtschaftliche Gewinnabsicht ist, ist [… eben] eine alte Frage: ob es das eine mit dem anderen unbedingt gemeinsam auch braucht?