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Michael Wimmer 05

Michael Wimmer, art mediator, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_39_mw_hg.mov

MW:
Die IFES-Studien, die letzten, glaube ich, 89 wurde die letzte gemacht: da gab es noch klare Mehrheiten dafür, dass man der Meinung war, öffentliche Förderung ist wichtig, was hier produziert wird, ist so [et]was wie ein gemeinsamer gesellschaftlicher Mehrwert. Und die letzte Studie, die IFES [durchgeführt hat, die, Anm. AR.] dieses jüngste Kulturmonitoring angeht, wo […] nur mehr, glaub[e] ich, 34% oder [so et]was der Bevölkerung diese Meinung repräsentieren, die gesagt hat: öffentliche Förderung ist wichtig und notwendig.

Herbert Gnauer im Publikum:
Und bezieht sich auf welche Kunstform genau?

MW:
Auf Kulturförderung [in Österreich, Anm. AR.] ganz insgesamt.

HG:
Ganz insgesamt. Was mich ein bisschen stört – jetzt an der Diskussion, hat ein bisschen [et]was auch mit der Besetzung zu tun -: aber beim Sample hast Du[, Alexandra Reill, Anm. AR.] gesagt, sind die darstellenden Künste vertreten, hier in der Diskussion sind eigentlich nur die bildenden Künste vertreten. […] Ich hör[e] hier ständig den Begriff Kunst verwendet eigentlich nur für die bildenden Künste. […] Ich gglaub[e], dass die Situation unterm Strich für die einzelnen Betroffenen sehr ähnlich ist, aber die Ausgangssituationen eben ganz andere, weshalb ein bildender Künstler einfach in aller Regel, auch wenn er kein materielles Produkt schafft, sondern was weiß ich was, eine Website, ein immaterielles, dennoch etwas hat, das einen Wertzuwachs erfahren kann, auch nach Jahren noch. […] Wenn ich als bildender Künstler mit Mitte 40 einen Durchbruch schaffe, dann sind die Werke, die ich bis dahin ja in die Welt gesetzt hab[e] auch mit einem starken Mehrwert [belegt, Anm. AR.]. Die Frage ist, ob ich davon noch profitier[e] oder ob die[se] nicht längst schon anderen Leuten gehören, die sich dann darüber freuen, weil sie das Leopold Museum geschenkt bekommt oder [et]was ähnliches.

Das ist von den unterschiedlichen Kunstsparten [her gesehen, Anm. AR.] jetzt auch unterschiedlich zu beurteilen. Ich glaub[e], dass Musiker in einer ganz anderen Situation sind, dass vor allem darstellende in einer völlig anderen Situation sind, weil die[se] in aller Regel ein ganz vergängliches Produkt haben, das einfach mit der letzten Vorstellung dann meistens auch undokumentiert verschwunden ist und nur mehr in der Erinnerung vorhanden.

Es bezieht sich aber auch nicht nur auf avantgardistische, experimentelle Kunstformen, sondern es ist eine absolut kaltschnäuzige, neoliberale – wie es so schön heißt – Schlechterstellung auch durchaus in den traditionellen Kunstformen zu finden. Also, klassisches Beispiel in der darstellenden Kunst: die ärmsten sind immer die Balletttänzerinnen und –tänzer, die[se] arbeiten am meisten, [… bekommen] am wenigsten bezahlt, sind Mitte 30 bis 40 meistens dann körperlich nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben. Und da war es bis vor fünfzehn, zwanzig Jahren eigentlich so, dass sie von einem Pensionssystem aufgefangen wurden. Das ist nicht mehr so. Schluss. Die Leute kriegen nicht mehr so langfristige Verträge, dass sie überhaupt in die Situation hineinkommen. Fertig. Also: die[se] haben dann meistens auch eine Ausbildung, die sich nicht woanders einsetzen lässt, ja und lassen sich dann umschulen …. Das sind oft dann SupermarktkassiererInnen, TaxifahrerInnen usw.