Archive for the 'heidulf gerngross' Category

Heidulf Gerngross 23

Heidulf Gerngross, architect, A

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Vorher war gerade der Dieter Sperl da, der ein bedeutender Literat ist, und der hat mir den Spruch vom Hölderlin gesagt: “Komm’ ins Offene, Freund.” Der ist jetzt auch schon über hundert Jahr[e] alt, und ich hab[e] ihn jetzt auf meinem Handy - wenn mich jemand anruft und meine Box erreicht, steht dort …: “Komm’ ins Offene, Freund .” Und das heisst, dass die Welt auch offen ist - tritt’ ein und red’ und beweg’ dich und verbirg’ nix.

Heidulf Gerngross 22

Heidulf Gerngross, architect, A

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Kurt Hofstetter:
Zwischen Heidulf [Gerngross] und mir - egal, wo wir uns treffen, egal, wo wir irgendetwas zusammen tun - ob das jetzt eine Seite im ST/A/R designen [ist] oder wie auch immer - gibt es eine gewisse Art von ähnlichem Selbstverständnis, oder … Vertrautheit oder … unausgesprochener Klarheit.

HG:
Ja, weil du jetzt selbstverständlich sagst, da fällt mir … etwas ein, was ich mir erst in letzter Zeit irgendwie formulieren konnte, dass … wenn jetzt ein Kind geboren wird, dass … dann sozusagen - so ist es mir gegangen in der Volksschule - auf einmal w[ird] dir … die Zunge abgeschnitten, die Augen werden dir verbunden, die Händ[e] …, du wirst einfach vollkommen verkleinert und musst dann … dir ein sogenanntes Selbstbewusstsein entwickeln. Also: ein Kind entwickelt dann ein Selbstbewusstsein, dass doch sein Mund und seine Augen doch [et]was sind. Die nächste Stufe ist dann, dass die Menschen dann auch eine Art Selbstbestimmtheit entwickeln, dass sie dann ihren Willen einsetzen und sagen: “Jetzt bin ich so selbstbewusst, jetzt bestimm[e] ich, dass das so und so ist.” Aber ich glaub[e], dass wir uns in dem Stadium bewegen der Selbstverständlichkeit. Wir machen das, was selbstverständlich ist.

Heidulf Gerngross 21

Heidulf Gerngross, architect, A

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Es ist ungefähr so, wie wenn man einen Baum fragen würde, warum er wächst. Es gibt dann natürlich Botaniker, die dir das nachher erklären, aber man kann den Baum nicht selber fragen, warum er wächst, gedeiht und blüht.

Heidulf Gerngross 20

Heidulf Gerngross, architect, A

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Ich glaube, es ist ein ständiges Kneten … sozusagen … beim Geist beginnt es ja, das ist das Schöne an der Architektur: du entwickelst in deinem Hirn irgendeinen Tisch nur - tschhhh - denkst dir, wie schaut der aus, und dann kommt der Zauber, und dann steht der Tisch vor dir. Also: du knetest den geistig vor, bis du dann die Materialien hast [usw.], und dann steht er da. Und diese Umwandlung, dieses ständige Kneten am Leben - am Gesamtleben - ist eigentlich unsere geistige, seelische, körperliche Leistung - so lange wir es halt aushalten …

Heidulf Gerngross 19

Heidulf Gerngross, architect, A

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Ich spüre überhaupt in der [Gesprächs-]Runde, dass wir alle ähnliche Intuitionen/Intentionen haben, dass wir eben nicht - sagen wir - als Künstler erscheinen [wollen], sondern dass irgendwie alle trachten - obwohl sie die Kunst immer berühren in einem Kapitel, aber doch -, dass das Leben irgendwie ein Gesamtkunstwerk ist.

Heidulf Gerngross 18

Heidulf Gerngross, architect, A

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Auf der anderen Seite muss auch ein gewisser Ruheprozess für sich selbst da sein, um die Dinge, die man vorhat, dann auch zu entwickeln. … Du hast vorher dieses Raumalphabet erwähnt, das ist doch eine Arbeit, die natürlich in der vollen Konzentration und irgendwo in einer Sternstunde irgendwie passiert, aber nicht im Zusammenkommen mit allen anderen. … Und die Entdeckung dieser Form: - ich hab[e] dann eben lang auch nach einer Form oder nach Proportionen und Massen gesucht und bin eben auf diese Entdeckung des Archiquant, wie ich ihn dann genannt habe, gekommen. Das ist eine neue geometrische Form, die alle Proportionen eben nach einem vertrauten System des goldenen Schnittes sozusagen in sich hat und die für mich ein neuer Maßstab ist, um zu messen und zu proportionieren, und die jetzt sozusagen diesen rechten Winkel, der in der Zeit, als ich erzogen worden bin mit dem Bau …, … den eigentlich übertrifft und eine organischere Art ist zu bauen. Und das sind Dinge, die man dann schon allein … entwickelt, während man, wenn dann ein Haus entsteht, die Summe aller Freunde und geschätzten Kapazitäten braucht, um wirklich ein grosses Werk zu machen.

Heidulf Gerngross 17

Heidulf Gerngross, architect, A

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AR:
… diese Wichtigkeit zu sagen: ich kann eine Vorstellung von einem Projekt, von einem Werk eigentlich nur [verwirklichen, wenn …:] - ich weiss nicht, ob es kompromisslos ist, aber es ist ein Weg, den ich gehen muss, wo ich nicht halb gehen kann, sondern wo ich schon weit nach vorne schreiten … und sagen muss: das kämpf[e] ich jetzt durch, und ich hab[e] die und die Vorstellung. Oder wie weit gehst du Kompromisse ein?

HG:
Ich glaub[e] schon, dass es auf alle Fälle die hundertprozentige Hingabe braucht, um etwas zu machen. Das ist das Allerwichtigste. Und dann natürlich auch das Hinhören auf andere, die in diesem Prozess mit dabei sind. Als Architekt lernt man ja gut: wenn ein Haus gebaut wird, arbeitet man mit hundert Leuten zusammen, [das] ist anders als ein Künstler. Ein Maler, der entscheidet beim Bild voll allein und macht das. Ich muss mit hundert Leuten kommunizieren, die Vibrationen aufnehmen und schauen, dass dieses Gebäude dann - auch diese Ausstellung - die Schwingung hat, die man dann als Architekt auch haben möchte. … Da spielt das Rücksicht Nehmen und das zusammen Arbeiten eine besondere Rolle.

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