Archive for the 'gerald kofler' Category

Gerald Kofler 05

Gerald Kofler

AR:
Diese Offenheit, Gerald, wenn ich da bei Dir noch einmal ein bisschen nachfragen darf, die wirkt sich wahrscheinlich sowieso im Journalismus ganz stark aus, nehme ich einmal an; in der Fotografie, wo wir ja im visuellen Medium stark sind – nicht nur, ich glaube, es geht auch dort um Begegnung -, wie wichtig sind dir da die Prozesse oder wie sehr tendierst Du dazu, fertige Werke anzustreben?

GK:
Fotografie [: da,] – denke ich mir, gibt es zweierlei Zugänge. Der eine ist eben der intuitive Zugang, …. wo man sich einfach auf das breite So-Sein dessen, was uns umgibt, bedingungslos einlässt und das für sich herausdestilliert, was einem wichtig erscheint. Zum anderen gibt es auch die Idee, die sozusagen aus dem Inneren herauskommt, die irgendwann [ein]mal da ist, die mir sagt: DAS ist es jetzt, was ich verwirklichen möchte – und man sich dann auf die Suche begibt, um das dann auch schlussendlich zuwege zu bringen.

Beim Journalismus ist es zum Teil so, dass es die ursächlichste Aufgabe ist, … aus dieser Vielfältigkeit an gegenwärtigem So-Sein für sich das herauszuholen, wo man eben glaubt: das ist von Interesse, das macht einerseits vom Zeitgeist her, andererseits von anderen Anforderungen her Sinn, dass man darüber berichtet. Zeitweise ergibt es sich auch aus dem Tagesgeschehen, wie man weiss. Aber im Grunde genommen gilt auch hier, das Offene, die Mannigfaltigkeit des Lebens in einem strukturierten Prozess dergestalt darzustellen, dass es für andere zum Gedankenanstoss gereicht.

Gerald Kofler 04

Gerald Kofler

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[AR:
Du bist Journalist einerseits ... ein sehr angewandter Bereich, ein Kreativberuf ..., gleichzeitig widmest Du Dich seit Jahren der Fotografie, das heisst, ich nehme an, bei Dir gibt es auch so ein Spannungsfeld: was brauchst Du an Kommunikation, was brauchst du an Begegnung mit anderen, an Zusammenarbeit mit anderen, und wo ist es Dir - sei [e]s im Schreiben oder in der Fotografie – wichtig, Dich zurückzuziehen?]

GK:
… Wenn ich an verschiedene Reisen denke, die ich gemacht habe, die dann später zu Berichten geworden sind, dann muss ich sagen, war es primär die Fotografie, weil: die Fotografie ist der Intuition in diesem Fall näher. Das, was ich als Erstes sehe, das, was mich als Erstes begeistert, nehme ich [ein]mal bildlich auf, und dann wird gefragt. Und dann kommt … sozusagen erst der ganze Prozess des Vergegenwärtigens in Gang, der dann schlussendlich die Eindrücke zu Worten werden lässt.

Gerald Kofler 03

Gerald Kofler

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Da hat man halt die Spezifikation kennengelernt, dass es eben zwei Arten der Fotografie gibt, nämlich die unmittelbare im ersten Gang: das, was ich sehe, bringe ich auf Zelluloid, und dann hab[e] ich die zweite Chance sozusagen: wenn ich das Ganze weiter auf das Papier befördere – ein Vorgang, der sich heute weitestgehend digitalisiert hat [und] den man allerdings in der journalistischen Arbeit eher versucht zu vermeiden, denn da ist Tempo angesagt und da ist es … [eben] auf der einen Seite wichtig, dass man schon schaut … ein Gesamtkunstwerk vielleicht … von Anfang an im Kopf zu haben, das eben sowohl von der bildlichen als auch von der textlichen Seite her getragen sein kann.

Gerald Kofler 02

Gerald Kofler

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Die Fotografie war eigentlich schon immer ein gewisses Steckenpferd von mir, das geht zurück in die Kindheit, [ich] hab[e] schon als Zehnjähriger bei meinen damaligen Reisen sehr gerne fotografiert, in der Jugend ist daraus dann ein spannendes Experimentierfeld geworden ….

Gerald Kofler 01

Gerald Kofler

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… ich denke, grundsätzlich ist es so, dass das Journalistische, wie Du schon gesagt hast, von einem Nach-Aussen-Gehen geprägt ist, von einem auf die Menschen-Zugehen, von einem Verstehen und Verstehen-Lernen, allerdings: ohne die Rezeption wird sich dann nicht sehr viel bewegen, weil die Rezeption halt der Weg ist, der dir dann die Möglichkeit verschafft, die Dinge, die du niederschreiben möchtest, zu verinnerlichen, aufzubereiten und dergestalt an das Publikum, an die Leserschaft zu bringen.