Gerald Kofler 05
AR:
Diese Offenheit, Gerald, wenn ich da bei Dir noch einmal ein bisschen nachfragen darf, die wirkt sich wahrscheinlich sowieso im Journalismus ganz stark aus, nehme ich einmal an; in der Fotografie, wo wir ja im visuellen Medium stark sind – nicht nur, ich glaube, es geht auch dort um Begegnung -, wie wichtig sind dir da die Prozesse oder wie sehr tendierst Du dazu, fertige Werke anzustreben?
GK:
Fotografie [: da,] – denke ich mir, gibt es zweierlei Zugänge. Der eine ist eben der intuitive Zugang, …. wo man sich einfach auf das breite So-Sein dessen, was uns umgibt, bedingungslos einlässt und das für sich herausdestilliert, was einem wichtig erscheint. Zum anderen gibt es auch die Idee, die sozusagen aus dem Inneren herauskommt, die irgendwann [ein]mal da ist, die mir sagt: DAS ist es jetzt, was ich verwirklichen möchte – und man sich dann auf die Suche begibt, um das dann auch schlussendlich zuwege zu bringen.
Beim Journalismus ist es zum Teil so, dass es die ursächlichste Aufgabe ist, … aus dieser Vielfältigkeit an gegenwärtigem So-Sein für sich das herauszuholen, wo man eben glaubt: das ist von Interesse, das macht einerseits vom Zeitgeist her, andererseits von anderen Anforderungen her Sinn, dass man darüber berichtet. Zeitweise ergibt es sich auch aus dem Tagesgeschehen, wie man weiss. Aber im Grunde genommen gilt auch hier, das Offene, die Mannigfaltigkeit des Lebens in einem strukturierten Prozess dergestalt darzustellen, dass es für andere zum Gedankenanstoss gereicht.
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