Archive for the 'franziska maderthaner' Category

Franziska Maderthaner 02

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_18_fm.mov

FM:
Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Das sieht man auch auf der Seite der Sammler. Auch da ist die große Frage des Typus. Der neue Hero in der Wirtschaftswelt ist ja als Finanzjongleur auch eine Art von Superstar. Und dieses viele Spielgeld, das jetzt unterwegs ist, also: dass sich einfach die Arbeitswelt von der Erwerbsarbeit zu einer Finanzwelt entwickelt hat – gerade in unserer westlichen kultur -, das spiegelt sich auch sehr schön in der Art und Weise wider, wie dieses viele, dieses wahnsinnig viele Geld, das in der Kunst unterwegs ist, angelegt wird.

[…] Im Jahr 2007 war z.B. der reine Umsatz oder das, was an Kunst verkauft wurde weltweit, unglaubliche 69 Milliarden Dollar. Das ist unvorstellbar. Das ist nur der offizielle Bereich, weil es gibt in der Kunst einen großen Graubereich, wie alle wissen. Man kann sich also vorstellen, um was für Finanzsummen es da geht. […] Man liest auch immer wieder Geschichten – von diesem diamantenen Totenkopf von Damian Hirst oder irgendein goldenes Herz von Jeff Koons – 20 Millionen Dollar, der Totenkopf so und so viele Millionen …

Publikumsstimme:
Sind die 69 Milliarden zeitgenössische Kunst oder ist da auch ein Monet dabei?

FM:
Da ist auch ein Monet dabei. Das ist, was in einem Jahr umgesetzt wird auf den Weltkunstmärkten.

Franziska Maderthaner 01

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_3_fm.mov

[…] Was die Zahlen anbelangt, kann ich jetzt nur sagen: es stimmt. So in etwa ist die Situation. Wir haben von der IG Bildende Kunst und auch über den BBK usw. immer auch die aktuellen Zahlen aus Deutschland und Österreich bekommen. Das durchschnittliche Einkommen – das durchschnittliche – eines Künstlers – ich sag[e] jetzt bewusst Künstler – beträgt ca. 11.000,– Euro im Jahr, einer Künstlerin noch wesentlich weiter d[a]runter. Das muss man sich einmal vorstellen. Das ist wirklich sehr wenig. Das belegt ja diese Studie jetzt ja auch.

Was kann man machen? Das eine sind strukturelle Maßnahmen, politische Maßnahmen, gesetzliche Maßnahmen, wo die KünstlerInnen selber nichts dazu tun können, sondern wo die Politik aufgefordert ist, etwas zu tun. Das sind einerseits natürlich Dinge, wie bestimmte Förderungen noch zu verstärken. Das sind Dinge wie steuerliche Entlastung für KünstlerInnen bei der Gründung von Firmen, […] beim Aufbau von Projekten, bei Atelierförderung. Das sind Dinge wie das Folgerecht auch umzusetzen in Ländern, die das bis jetzt nicht haben, wie z.B. die Schweiz oder Amerika, einfach, um hier noch eine größere Einnahmequelle zu bekommen. Das sind viele Anreize, die man für die Wirtschaft machen kann, Freibeträge z.B., die man ausgeben könnte für bildende Kunst, und, und, und. Das ist eine ganze Liste, die es da geben könnte an gesetzlichen Rahmenhandlungen, die installiert werden könnten, wenn es eine Gesellschaft gäbe, die daran Interesse hat, dass hier etwas weitergeht.

Ein weiterer Punkt ist auch die Ausbildungssituation an den Universitäten. Das ganze Thema ist einfach ein sehr komplexes, deswegen muss ich jetzt alle diese ganz trockenen Fakten einfach erwähnen. In diesen Universitäten, Kunstuniversitäten, ist nach wie vor der Bereich Marketing und Wirtschaftsrecht etwas, das nicht vorkommt. Es ist einerseits so, dass es von der Seite des Gesetzgebers noch nicht vorgesehen ist. Universitäten dienen dazu hauptsächlich dazu, das Wahre, Gute, Schöne zu vermitteln und [sich] hauptsächlich […] um die Erforschung und die Erschließung der Künste und der Wissenschaften zu kümmern.

Diese Bereiche, dass man sagt, wir begeben uns auch auf diese – unter Anführungszeichen – niedere Ebene der Vermarktung – wie vermarkte ich das Stück – unter Anführungszeichen – Kunst, das ich produziere, ob das jetzt ein reales Artefakt ist, ob das jetzt auch eine Idee ist, ob das jetzt ein Möbelstück oder Architektur ist -, da fehlt also wirklich einiges.

Und da muss man sagen, dass auch ein bisschen die Künstler[Innen] selber schuld sind. Wenn ich jetzt gerade von der Angewandten [Universität für angewandte Kunst in Wien, Anm. AR.] rede: wir haben […] in den letzten, ich würd[e ein]mal sagen, fünfzehn Jahren in etwa ungefähr um 80% mehr Studierende. Also, es ist schon enorm. Die Universität platzt aus allen Nähten. Die Situation ist genauso aber auch auf der Bildenden [Universität für bildenden Künste in Wien, Anm. AR.] und genauso auch auf Universitäten im deutschsprachigen Raum.

Das hat den Grund, dass Kunst zu machen einfach wahnsinnig schick und in ist. Das ist ein großes gesellschaftliches Thema, über das wir hoffentlich in der zweiten Runde reden können. Man kann es ein bisschen vergleichen mit Lotto Spielen oder Wer wird Millionär?. Man sieht in den Medien immer wieder Superstars und denkt sich, da möchte ich eigentlich auch hin, das ist cool, das möchte[e] ich studieren, dann werd[e] ich vielleicht auch MillionärIn mit meiner Kunst – jetzt einmal so ganz platt ausgedrückt.

Aber im Endeffekt ist die Realität, die traurige, so, dass pro Jahrgang einer Meisterklasse einer Studienrichtung es ein, zwei vielleicht schaffen, erfolgreich jetzt im ganz klassischen Sinn zu werden, und eigentlich kann man sagen, alle fünf, sechs Jahre gibt es dann innerhalb einer Universität ein, zwei Personen, wo man sagen kann: das sind jetzt die wirklichen Superstars.

Es machen allerdings ungefähr 140 Leute das Diplom pro Jahr. Also: man muss sich [… eben] schon überlegen: was passiert mit diesen Leuten? Und da wär[e e]s sicher sinnvoll, wenn im Vorfeld schon oder im Rahmen des Studiums eine Aufklärung über die Einkommenssituation herrscht und auch gleichzeitig vielleicht parallel dazu auch schon angedacht wird, in andere Arbeitsfelder, die kunstadäquat sind, eventuell abzuwandern. […] Z.B. der Bereich Vermittlung ist für mich ein ganz wichtiger. Der bereich Schule: […] wenn wir vielleicht wirklich irgendwann einmal eine funktionierende Ganztagsschule haben, wär[e] so [et]was wie Künstler[Innen] in den Schulen etwas ganz […] Tolles.

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