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Franziska Maderthaner 09

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_55_fm.mov

Künstlersozialversicherung ist schon angesprochen worden. Das ist natürlich ein großer, schlimmer Punkt, und da bin ich immer wieder ganz überrascht, wie wenig sich da Österreich an Deutschland orientiert, wo es eigentlich wesentlich besser und selbstverständlicher und ohne großen medialen Rummel seit 20 Jahren gut funktioniert. Da ist extrem viel zu machen bei der Künstlersozialversicherung.

Aber generell – jetzt einmal – hab[e] ich ein paar Dinge hier aufgeschrieben. Dieser ganz wichtige Punkt scheint mir auch dieser Urheberrechtspunkt. Und auch […], so unangenehm es ist, diese Folgerechtsproblematik, die eigentlich die Künstler und Künstlerinnen – in den letzten, seit zwei Jahren gibt es das – sehr schlecht gestellt hat.

Der Grund dafür ist aber auch, dass dieses Folgerecht nicht in allen europäischen und international, also in Amerika, nicht existiert. Dadurch gibt es eine bestimmte Ungleichstellung.

Und dieses Folgerecht besagt – soviel für die, die das nicht wissen -, dass man bei dem Verkauf seiner Kunstwerke, seiner künstlerischen Produktionen, sobald es um einen Zweitverkauf geht, prozentuell beteiligt ist. Das heißt, wenn man – […] das Beispiel haben Sie[, Herbert Gnauer, Anm. AR.], glaub[e] ich vorher erwähnt -, […]wenn man also vor vierzig Jahren oder vor dreißig Jahren oder vor zwanzig Jahren diese Kunstwerke produziert hat und einmal wahnsinnig berühmt wird – diese Werke sind irgendwo und werden dann auf einmal weiterverkauft und weiterverkauft -, kann man immer einen bestimmten Prozentsatz mitschneiden bei diesem Weiterverkauf – also eigentlich etwas, das sehr sinnvoll ist. Dabei muss auch noch viel gemacht werden. Diese Deckelung, die muss eigentlich weg. Das muss also wirklich ab …, für jeden Verkauf muss das eigentlich gelten.

Dann hab[e] ich hier natürlich auch noch das Thema Kunstakademien, wo es wichtig ist, dass diese Bereiche – eben Marketing, Recht, Betriebswirtschaft, Kulturwirtschaft – erweitert [… werden]. Das sind Dinge, die es einfach nicht gibt, die sollten also unbedingt passieren. Aber ich denke, das wird nur über eine verfassungsmäßige Änderung gehen: was die Universitäten generell für Aufgaben haben.

Dann natürlich gibt es da so Sachen, die es in vielen auch wiederum deutschen Städten schon gibt, wie Unterstützungen der Atelierkosten. In einem sehr hohen Ausmaß gibt es das z.B. in Berlin.

Was natürlich auch schlimm ist, dass die Kunst am öffentlichen Bau ein Bereich ist, der in Österreich auch noch immer sehr lasch gehandhabt wird, wo man zwar weiß, es muss bei jedem öffentlichen Gebäude der und der Prozentsatz Kunst am öffentlichen bau dabei sein, aber so richtig überprüft und gemacht und vergeben wird das eigentlich auch nicht.

Wichtig fänd[e] ich eben auch diese Situation, dass Künstlerinnen und Künstler schon während der Ausbildung auch vielleicht anderen Berufsfeldern zugeführt werden. Dann sehe ich auch wieder im Bereich der Vermittlung viele Chancen, eben gerade in der Schule, wo ich denke, es wäre sicher spannend, dass also Künstlerinnen und Künstler in den Schulen unterrichten könnten.

Steuerlich sind diese Geschichten mit diesen Freibeträgen […] interessant. Dieses Thema, Kunst überhaupt generell von der Steuer absetzbar zu machen, also Kunst anzukaufen und es von der Steuer absetzbar zu machen, das ist etwas problematisch. Das haben wir innerhalb der IG bildende Kunst schon durchdiskutiert. Das würde zu einer ziemlichen Verzerrung und zu einer einseitigen Förderung auch führen. Also, da sind wir eigentlich nicht so dafür gewesen

[…] Ich sehe natürlich auch ein Versagen, was z.B. – was Sie[, Michael Wimmer, Anm. AR.] vorher angesprochen haben – diese Wahrnehmung oder diese Wichtigkeit von Kultur innerhalb der Bevölkerung [betrifft, Anm. AR.]. [Das] ist natürlich ein absolutes mediales Versagen. Speziell in Österreich, kann man sagen, ist da in den letzten zwanzig Jahren viel schief gegangen, ob das jetzt im ORF ist oder in den Medien – [es] wird viel zu wenig und viel zu unqualifiziert über Kunst und Kultur berichtet. Wissen wir [… ohnehin], führt aber auch dazu, dass die Bevölkerung einfach keine Ahnung hat, was da eigentlich los ist.

Schlimm ist die Situation auch in den Schulen, also nicht nur auf den Universitäten, wo ich mir auch denk[e], da muss also auch viel mehr passieren, was wiederum aber eigentlich so komplex ist, weil es mit den Universitäten und der Ausbildung dort zu tun hat. Aber auch dort kann man im Vorfeld schon mit sechsjährigen Kindern und Jugendlichen anfangen, eine ganz eine andere Art von kreativem Unterricht zu machen [… in der] Kunst und Musik und sie einfach mehr und mehr und selbstverständlicher zur Kultur hinzuführen.

[…] Das sind jetzt viele, viele Punkte auf einmal […], aber es war irgendwie Deine[, Alexandra Reill, Anm. AR.] Frage.

AR:
Ja, genau.

Franziska Maderthaner 08

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_37_fm.mov

Kunst zu machen, Künstler/Künstlerin zu sein ist einfach nach wie vor ein vehement positiv aufgeladenes Berufsbild. Das kommt auch dazu. Es gibt kaum einen Beruf, der für diejenigen, die diesen Beruf ausführen, so positiv aufgeladen ist, dass man dann unglaublich viel Leid [auf sich nimmt, Anm. AR.] und Opfer bringt, um ewig lang dieses Künstlerin/Künstler sein [leben] zu können. Das kommt mir auch so vor.

Aber die Situation ist natürlich so, dass wenn du irgendwann einmal 35 wirst – so geht es eigentlich dann fast allen Menschen -, dann willst du einfach nicht mehr in der WG wohnen, du hast dann vielleicht irgendwann [ein]mal die Idee, ein Kind zu bekommen. Wenn du ein Kind hast, dann geht damit einher: eigentlich bräuchte ich jetzt eine Wohnung und ein Auto vielleicht auch noch – also alles eigentlich fast kleinbürgerliche Ansprüche, die aber dann, wenn man sie zusammen zählt, so viel Geld ausmachen, dass du eigentlich dann so eine Familie gar nicht erhalten kannst. Leider, d.h. die meisten, leider Gottes sind das dann die Frauen, die dann entweder sich einen Mann suchen, der das Ganze finanziert, oder sie haben einen vermögenden Hintergrund.

Aber es ist nicht umsonst so, dass die Künstlerinnen in Österreich – das ist jetzt wirklich erschreckend – durchschnittlich 0,48 Kinder kriegen, während die österreichische Durchschnittsfrau bei 1,52 oder so [et]was ist. Also das muss man sich einmal vorstellen, wie wenig, wenig Künstlerinnen es gibt, die sich ein Kind nur leisten können, weil die Situation es einfach nicht ermöglicht. Das ist eine traurige Tatsache.

Franziska Maderthaner 07

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_34_fm.mov

Publikumsstimme:
Ein Grossteil dieser Künstler, glaub[e] ich, ist nicht bei Ausstellungen jetzt wirklich vertreten oder nicht bei Ausstellungen, die von Privatinstitutionen wie Generali oder die Erste Bank […] subventioniert werden.

FM:
Ein Grossteil der österreichischen Künstler ist überhaupt nirgendwo vertreten, weder in Galerien noch in Museen. Es gibt, glaub[e] ich, in ganz Österreich […] – die Zahl ist einfach noch immer nicht ganz fix -, es gibt so zwischen – sagen wir [ein]mal – 5.000 und 8.000 Künstler und Künstlerinnen in Österreich.

Das ist deshalb so schwierig festzumachen, weil da verschiedene Parameter herangezogen werden, einerseits wer hat eine Steuernummer, und wer hat eine Sozialversicherung, und wer hat ein Studium abgeschlossen, und, und, und, und. Deswegen kann man diese Zahlen nie so genau festmachen.

Tatsache ist, dass insgesamt nur 300 bei einer Galerie sind, von einem Galerievertrag möchte ich gar nicht reden, bei einer Galerie vertreten sind. […] Das ist im Vergleich zu diesen – sagen wir einmal, es sind – vielleicht 6.000, was ich jetzt sehr nieder angesetzt hab[e], auch sehr wenig.

Franziska Maderthaner 06

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_32_publikum.mov
http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_33_fm.mov

Publikumsstimme:
Von Künstlerinnen und Künstlern war vor allem die Rede, wenn sie Objekte produzieren, mit denen sie Gewinn machen können. Wie steht es mit den Künstlern – und das ist ja ein mittlerweile großer Teil -, die nichts produzieren, das verkauft werden kann. […] Ich denke da jetzt auch an Alex Nikolic, der wäre […] ein Beispiel dafür, würd[e] ich sagen. Wie ist da das Selbstverständnis unter diesen Leuten, oder …?

FM:
Es ist auf jeden Fall eine Entwicklung innerhalb der bildenden Kunst der letzten – sagen wir [ein]mal – 15 Jahre, wo diese Branche der Künstler und Künstlerinnen, die in einem – sagen wir [ein]mal – kontextuellen, sozialen, vermittelnden usw. Feld arbeiten, in einem Feld, das nicht ein reales Produkt als Endresultat hat[, entstanden ist. Das, Anm. AR.] ist eine riesige Branche – kann man fast sagen – geworden, man muss sich nur die ganzen Grossaustellungen anschauen, wie documenta usw., wo eigentlich sehr viele von diesen Künstlerpositionen vertreten sind.

Ich sehe da auch jetzt nicht, dass diese KünstlerInnen sich nicht untereinander vernetzen. Das ist eine ganz große Vernetzung, die da eigentlich dabei ist, weil sehr viel über die Sprache auch läuft und b) im Atelier …, weil ein Atelier hier meist [auch] gar nicht […] notwendig ist. [Dies, Anm. Ar.] hat sich natürlich aber zu einer sehr viel diskutierten und sehr intensiv verhandelten Kunstgruppierung – nein, Gruppierung ist das falsche Wort – Entwicklung innerhalb der Kunst … – so steht das einfach jetzt da. Wenn man jetzt interessante Kunstzeitschriften aufschlägt, egal ob man jetzt nimmt das Kunstforum oder Texte zur Kunst oder irgendwelche theoretischen Werke, [so sieht man, Anm. AR.] dass dort nur diese Positionen verhandelt sind und kaum KünstlerInnen, die im klassischen Sinn Werke produzieren, die man mit zwei Nägeln an die Wand hängt.

[Skeptische Reaktion im Publikum, Anm. AR.]

FM:
[… Doch, Anm. AR.], schon. Es wird immer stärker, würd[e] ich einmal sagen. Verhandelt wird das und weniger die traditionelleren Positionen.

Leben davon ist nach wie vor relativ schwierig, aber es gibt zunehmend vor allem Institutionen, privatwirtschaftliche Institutionen, die so etwas fördern. Ich denk[e] jetzt z.B. nur einmal an die Generali [in Wien, Anm. AR.], die einfach sagt: wir haben einen Ausstellungsraum – den es jetzt leider in der Form nicht mehr gibt. Aber es gibt auch viele andere Firmen, die sagen: wir unterstützen solche Projekte, so eine Art von Kunstproduktion. Es gibt natürlich viele, viele Grossaustellungen, wo diese Positionen immer wieder gezeigt werden, in meinen Augen fast etwas zu inflationär gezeigt werden. Aber so ist es.

Es wäre natürlich gut, wenn es für solche künstlerische Produktion, die also jetzt rein im theoretischen oder im vermittelnden Bereich sich abspielt, so [et]was wie Ausstellungsvergütungen geben könnte, sollte. Es ist schon so, dass da nicht sehr viel Geld lukriert wird, aber zunehmend einfach doch Geld fließt von Firmen, die sich mehr Image oder ihr Renommee über das Sponsoring oder über die Unterstützung von dieser Kunst holen und entwickeln wollen.

Franziska Maderthaner 05

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_21_fm.mov

AR:
Also müssen die Künstler doch arm sein, damit sie ….

MF:
Nein, ich glaube nur nicht, dass eine Grundsicherung der richtige Anstoß ist. […] Ich bin da eher skeptisch [und mehr für, Anm. AR.] verschiedenste Maßnahmen, die ich vorher schon angesprochen habe. Und das ist ein komplexes Feld, wo man mit Förderungen, Unterstützungen, Steuererleichterungen sehr viel machen kann, glaub[e] ich.

Franziska Maderthaner 04

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_20_fm.mov

Die Grundsicherung für KünstlerInnen gab [e]s in Holland in den 80er Jahren. […] Es waren damals umgerechnet ca. 7.000,– Schilling, die die KünstlerInnen bekommen haben. [Das] hat dazu geführt, dass – mittlerweilen gibt [e]s das nicht mehr – […] es auf einmal drei Mal so viele KünstlerInnen gab wie vorher, d.h. das System wurde unglaublich missbraucht, weil nämlich die Holländer nicht sehr viel verlangt haben. Man konnte mit einer Mappe dorthin gehen, in [da]s Ministerium, und hat das bekommen. Monatlich 7.000,– Schilling war in den 80er Jahren sehr viel Geld.

Es hat dann dazu geführt – interessanterweise -, dass die holländische Kunst vollkommen eingeschlafen ist. Die Leute haben überhaupt nichts mehr produziert, sie haben nur noch einmal im Jahr eine Mappe hingetragen und sich ihr Künstler[Innen]dasein bestätigen lassen. [Sie …] haben dann wieder damit aufgehört, die Holländer, einerseits weil [e]s nicht mehr finanzierbar war und weil es auch eigentlich für diesen Drive der Szene nicht wirklich [et]was gebracht hat.

Franziska Maderthaner 03

Franziska Maderthander, fine artist, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_19_fm.mov

Ja, dieses Geld wird von den Sammlern, die meist zu dieser Branche kommen – gerade die großen Sammler -, vor allem sehr gerne angelegt in sehr teure Kunst, d.h. in sehr prominente Kunst, d.h. in Kunst, wo dieser Wert – unter Anführungszeichen – überhaupt nicht nachzuvollziehen ist. Warum ein großes Herz von Jeff Koons 20 Millionen Dollar kostet? Das hat weder den Materialwert noch den ideellen noch irgend[et]was, da geht es rein um die Prestigegeschichte. Die auch immer stärker steigt. Das ist […] vergleichbar vielleicht mit den Potlatch, mit diesen Stammesfürsten bei den Indianern: wer das größte Geschenk gebracht hat, der war dann irgendwie der angesehenste Indianerhäuptling. […] Ungefähr so ähnlich läuft das auch mit der Kunst.

Interessanterweise ist die Frage des: wird das einmal mehr wert werden, wenn ich jetzt dieses Herz oder sonst ein Kunstwerk, ein sehr bekanntes, ein sehr oft medial repräsentiertes kaufe, weniger gestellt. Es geht wirklich sehr stark um diese Prestigegeschichte, […] also dieses viele Geld, dieses Wer wird Millionär-Denken einerseits als Berufsdenken von vielen erfolgreichen Menschen, andererseits natürlich auch in der Kunstwelt.

Meistens sind diese beiden Typen ja sehr eng auch befreundet, spiegeln sich in dem anderen wieder und sind gern auch zusammen – womit auch zusammenhängt, dass sich sehr viele erfolgreiche Künstler gerne mit erfolgreichen Managern umgeben und umgekehrt.

Man kann es mit einem Lottospiel vergleichen, die ganze Angelegenheit. Irgendeiner wird es schon schaffen. Und der Gedanke, dass man hier mit dem Lotto spielt, das haben eigentlich fast alle Studierende, auch gerade wenn sie jetzt bildende Kunst machen, Malerei vielleicht machen oder freie Kunst machen. Dass sie sich am Anfang ihres Studiums denken: […] wer weiß, vielleicht trifft mich auch das große Glück. Tatsächlich. Es ist wirklich so. Dieses Thema verfolgt sie ewig lang, vor allem, weil es ja gerade auch auf den Universitäten immer wieder vorgelebt wird von diesen erfolgreichen Stars: schau’ her, schau’ mich mal an, ich hab das irgendwie cool gemacht, ich bin der jetzt der Superhero. Verraten tun sie diese Tricks natürlich nicht. […] Ein Erwin Wurm verrät seinen Studenten nicht, wie er dort hingekommen ist, wo er jetzt ist. So läuft das dann nicht.

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