Archive for the 'alexander stanzel' Category

Alexander Stanzel 12

Alexander Stanzel, fine artist, A

AR:
Du sagst, Du bist Einzelkünstler, kein Mitglied einer kunstproduzierenden Initiative – arbeitest Du oft mit anderen KünstlerInnen zusammen und wie gestalten sich entsprechende Kooperationen?

AS:
Gemeinsames Erarbeiten des Konzepts, Versuch des Einbezugs der Ideen des anderen bzw. Wahl der inhaltlich stärkeren Konzepte von allen.

Budget wird natürlich verhältnismäßig aufgeteilt.

Arbeitsteilung je nach individuellem Können oder Stärken sowie wenn möglich gemeinsam, im gemeinsamen interaktiven Prozess entstehende Arbeit (sonst könnte man ja gleich ein Einzelprojekt machen, so kommt das Kollektive und Interaktive viel stärker hervor).

Ich arbeite eher selten mit anderen Künstlern zusammen, da ja jeder seinen ganz eigenen Themenbereich und Zugang hat. Teamarbeit ist in der bildenden Kunst immer ein gewaltiger Kompromiss. Muss aber nicht immer so sein, manchmal überschneiden sich die Ideen und Ansätze auch sehr gut und so ist dann eine Zusammenarbeit gegenseitig sehr fruchtvoll.

Alexander Stanzel 11

Alexander Stanzel, fine artist, A

AR:
Unterscheidest Du im Auslösen weiterführender, vertiefender Reflexion zu Deiner Produktion zwischen den Auswirkungen/Wirkungen der Produktion selbst und sozusagen beschreibenden bzw. analytischen Methoden? Wie gehst Du vor bei der Analyse Deiner eigenen Kunstproduktion und bei dem von Dir angestrebten Auslösen von Reflexion?

AS:
Keine einfache Frage. Es ist eher die Auswirkung der Produktion selbst, denn es ist ja das Werk, das den Zeichencharakter inne hat, das spricht. Das Vorgehen ist eigentlich ganz einfach, zuerst habe ich mal persönlich ein Gefühl, wie gehaltvoll das Werk ist, wie stark die Aussage ist. Dies lasse ich dann über die Zeit hinaus walten, wenn es nach paar Tagen, Wochen für mich immer noch die gleiche Stärke hat, dann ist es gut. Aber genauso wichtig, wenn nicht noch mehr, ist die Kritik meiner Künstlerkollegen. Erst wenn die Arbeit bei mehreren Kollegen wirklich gut ankommt, dann bin ich mir ihrer Wirkung sicher. Der eigentliche Betrachter, Laie ist zwar auch irgendwie wichtig, aber eher nebensächlich, wenn das Werk den zuvor geschilderten Weg der Kritik übersteht.

Alexander Stanzel 10

Alexander Stanzel, fine artist, A

AR:
Welche Rolle schreibst Du Dir selbst zu? Was siehst Du als Deine Aufgabe/n als Künstler an?

AS:
Meine Rolle, Aufgabe bezieht sich auf jene Bereiche, die meiner Person, meiner Lebenswelt und Interessen wichtig und nahe sind. Jene Elemente, die tiefer in mein Erleben eingehen, mich dabei besonders ansprechen, ich für eine Thematisierung als wichtig erachte, setze ich in meiner Kunst um. Diese versuche ich zu analysieren und eine weiterführende vertiefende Reflexion darüber auszulösen.

In einem Teil meiner Arbeit beschäftige ich mich mit latenter politischer Staatsmachtausübung. Da diese indirekt in einem nicht unbedeutenden Ausmaß das Verhalten der Gesellschaft beeinflusst, ist es meine Funktion auf diese „versteckte“ Gewalt hinzuweisen und in weiterer Folge durch gezielte (künstlerisch-performative) Aktionen außer Kraft zu setzen. Der Gesellschaft die Praktiken und übel unterdrückenden Tendenzen der Staatsgewalt bewusst zu machen.

Alexander Stanzel 09

Alexander Stanzel, fine artist, A

AR:
Welche Rolle hat Deiner Meinung nach ein/e zeitgenössische KünstlerIn in der österreichischen Gesellschaft?

AS:
Eine recht große, da er ein Bild von ihr erschafft, sie erforscht, analysiert, hinterfragt …

Alexander Stanzel 08

Alexander Stanzel, fine artist, A

AR:
Siehst Du Kunstproduktion als Beruf oder als Berufung oder anderwaitig an?

AS:
Letzteres – eher als innere Notwendigkeit, etwas zu sagen, mitzuteilen.

Alexander Stanzel 07

Alexander Stanzel, fine artist, A

AR:
Wonach würdest Du die Qualität von Kunst in einer Gesellschaft definieren, kommt die Qualität von Kunst von Müssen, von Talent, von Können, von finanziellen Ressourcen, definiert sich Qualität von Kunst über den in einer Gesellschaft produzierten Mehrwert? Oder auf welche Definitionen würdest Du Dich bei der Beschreibung solcher Qualität beziehen?

AS:
Hmm, jetzt, wenn Du es näher ausführst, es ist irgendwie alles zusammen, d.h. die Qualität kommt sowohl vom Müssen – man hat einfach das unstillbare Bedürfnis etwas zu machen, auszudrücken, zu vermitteln, aber dafür braucht man/frau auch ein gewisses Talent und Können. Aber man muss – um eine Arbeit auch wirklich gut und tiefgreifend ausführen zu können – auch in gewissem Sinne über finanzielle Ressourcen verfügen, da Kunst v.a. Zeit und ungestörte intensive Arbeit braucht, aber das wird ja alles nicht gezahlt… und so muss man in der Zeit des Schaffens auch von etwas leben. Auf späteren Verkauf der Werke darf man nicht hoffen (v.a. zu Beginn der künstlerischen Arbeit).

Aber genauso ist es auch die Gesellschaft, die den Künstler dazu quasi latent auffordert, mehr und intensiver zu machen. Nicht nur was er um sich sieht und was ihn dabei verdutzt, aber auch der Druck der Galerien, Kuratoren, Sammler, Kritiker ständig zu produzieren und dies bei allerbester Qualität.

Es ist eher die Qualität oder Tiefe der künstlerischen Aussage, die in der Gesellschaft etwas auslöst, bestehende Werte neu definiert.

AR:
Könntest Du dies näher ausführen?

AS:
Naja, ich meine damit das, worauf es bei einem gutem Kunstwerk ankommen sollte. Die inhaltliche Tiefe des künstlerischen Statements, das, was der Betrachter dabei empfindet, wenn er ein Werk wahrnimmt, was es in ihm auslöst, verändert, zum (Neu-) Denken anregt. Wie sehr der Künstler gewisse Tatsachen der Realität offenbart. Tatsachen, die von Bedeutung sind, den Menschen ansprechen, betreffen, berühren.

Alexander Stanzel 06

Alexander Stanzel, fine artist, A

AR:
Gibt es da bestimmte Themenbereiche, mit denen speziell Du Dich beschäftigst?

AS:
Ja, klar. Wie zuvor schon beschrieben, beschäftige ich mich in meinen Arbeiten mit der Diktatur und Autorität der Religion (v.a. mit dem Gewissen der Sünde), sowie mit versteckter Macht/Gewalt des staatlichen Apparats (gewisse unterdrückende Maßnahmen zur Äußerung der freien Meinung als auch Ansätze der RAF). Auch die Genderproblematik, die heutzutage aktueller denn je ist, tritt in meine Arbeiten ein. Vor allem der Kraft ausdrückende, souveräne, frei sein wollende Mann oder eher Macho wird dabei hinterfragt.

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