Michael Wimmer 04

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[...] Ich finde […] für mich drei Unterscheidungen[, die ich] treffen würde. Und was Ihr[, Alexandra Reill und Franziska Maderthaner, Anm. AR.] jetzt noch einmal angesprochen habt, hat irgendwie mit so [et]was wie einer emphatischen Idee vom Künstlertum zu tun: ich werde Künstler, weil ich muss und weil ich da gar nicht anders kann, und weil [e]s im letzten nicht wirklich relevant ist, ob jemand anderer auch so denkt, dass das wichtig ist, was ich da tue, sondern es ist meine persönliche Herangehensweise und fast eine Existenzweise. Und des ist ja real und auch unglaublich mystifiziert da dabei. Das ist die eine Geschichte.
Die zweite ist dann eher eine pragmatische, betrifft dann auch ganz stark die Universitäten, und es hat was mit dem Kunstbetrieb zu tun. Und Ausbildung, Ausbildungserfordernisse – wir wissen nicht einmal, wie viel es wirklich sind -: aber eigentlich arbeiten die Ausbildungseinrichtungen einem Markt zu, und es gibt eben welche, die es schaffen, andere, die es nicht schaffen, in diesem ursprünglichen Sinn als Stars, wo sich dann mehr und mehr die Frage stellt: kann ich meine Kompetenz, die ich da erworben habe, anderweitig nutzen, sei es im Vermittlungszusammenhang, im edukativen, im sozialen oder sonst wie … im Bereich dabei? Oder ist es eben ein derartiges Ausleseverfahren, das eben tausend Klavierspieler produziert, aber nur drei werden gebraucht, und die 997 haben [… eben] Pech gehabt?
Und da gibt es dann wenig Alternativen dazu. Ich glaube, da sind gerade die Ausbildungseinrichtungen gefordert zu sagen: hallo, dieser […] Star ist nicht das einzige, sondern es gibt eine wesentliche Verbreiterung der Berufsfelder und schaut euch rechtzeitig um, was ihr eigentlich alles machen könntet da dabei und wo ihr produktiv sein könnt und wo ihr auch hohe Reputation, Anerkennung, Professionalität usw. einbringen könnt […].
Und da gibt es eine dritte Dimension, und das wäre dann für mich die politische dabei, weil dort, wo wir reden: ich bin Künstler oder Künstlerin und ich erwarte mir hier eine Existenz, also dann hat das immer auch etwas mit Umverteilung zu tun. Dann geht [e]s ja hier um öffentliche Mittel – direkt oder indirekt -, die für meine Existenzweise eingesetzt werden, und die muss ich in irgendeiner Form legitimieren. Ich muss ja sagen können, warum die einen etwas geben sollen an Steuerleistungen, was mir zugute kommen soll. Und das ist gar keine so einfache Frage, die man da beantworten kann, und sie ist bedrohlich, und das möchte ich auch einbringen, weil dieses letzte Kulturmonitoring eigentlich ergeben hat, dass die Bereitschaft breiter Bevölkerungsmehrheiten, sich für öffentliche Förderung auszusprechen, ziemlich im Sinken ist. Es ist keine Mehrheit der österreichischen Bevölkerung mehr, die sagt, es sollte öffentliche Förderung geben. Da haben wir alle mitsammen irgendwie auch verloren ein Stück weg an Überzeugungskraft, an Argumentationshilfe. Das heißt nicht, dass der Kunstbetrieb morgen zu Ende kommt, aber das erzählt schon auch etwas über ein Stück des Entfernens von unseren Vorstellungen, Hoffnungen, Sehnsüchten […] gegenüber Realitäten in den Köpfen sehr vieler Menschen.
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