Marie Ringler 06

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_41_ar_mr.mov
AR:
[Das] geht ja leider Gottes auch damit einher, dass sozusagen eine Form von Handschlagqualität [in Wien, Anm. Ar.] verloren gegangen ist oder immer mehr verloren geht. Also, es gab da früher so eine Art von unausgesprochenem Ehrenkodex: wer es einmal als Theaterdirektor mit mittlerem Haus und Förderung bis 55 geschafft hat, den heben wir bis zur Pension durch. Das geht mehr und mehr verloren im Unterschied aber dazu, dass verstärkt auf kürzere Förderung umgestellt wird. Erst seit kurzem hat man sich wieder bereit erklärt, auf zwei-bis-drei Jahresförderungen umzustellen …
MR:
Das stimmt so nicht.
AR:
Oder gar nicht mehr?
MR:
Das würde ich nicht so sehen. Dieser Ehrenkodex, der ist in den letzten Jahren entstanden, weil so lange gibt [e]s dieses System überhaupt noch nicht. Und man muss sich schon die Frage stellen, die eine schwierige Frage ist: ist es die Kunstförderung, die dafür zuständig ist sich zu überlegen, was bedeutet das, wenn jemand mit 55 aus künstlerischen Kriterien heraus keine Förderung mehr bekommt?
Oder ist es eine Frage die vielmehr woanders zu lösen ist? […] Ich finde, dass das zwar ehrenhaft ist, dass man sagt, man will Menschen nicht in die Armut schicken. Das ist wichtig und richtig und man muss ja auch Antworten darauf haben. Aber ob es die Kultursubventionen sind, die das tun müssen, das wag[e] ich jetzt einmal eher zu bezweifeln.
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