Alexandra Reill 41

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_35_ar.mov
Publikumsstimme:
Ich wollt[e] nur kurz nachfragen, weil sie zu Beginn eine sehr hohe Zahl gesagt haben, von den Befragten [der Studie Kunst im Trend? Artists. Voices., Anm. AR.] wiederum, die jetzt die Beschäftigung mit Kunst und künstlerische Tätigkeit als Hauptfeld ihres beruflichen Lebens sehen, und zugleich aber sehr wenige davon wirklich leben können – […] abgesehen jetzt von dieser Relativierung des Prozent[satzes], des Problems damit …. Und da würde mich interessieren, weil Sie[, Alexandra Reill, Anm. AR.] das kaum erörtert haben, [die Frage] nach der Motivation. Wenn damit kaum eine langfristige [… Existenzbasis, Anm. AR.] gefunden ist, wie lässt sich das damit erklären, dass sozusagen der Wille, zur Kunstuniversität zu gehen und eine Ausbildung zu machen wie auch zu versuchen, davon zu leben, trotzdem gegeben ist? Ist das jetzt eine Fehlinformation an die Öffentlichkeit oder ist das jemand, der […] bewusst kalkuliert, was er da eingeht? Oder: was für Parameter haben Sie gehabt bei der Befragung? Oder welche Antworten in Bezug auf diese Frage der Motivation? Das würde mich interessieren.
AR:
Ja. Also: wovon wir sprechen, ist ja eben eine große Diskrepanz. Zum einen kann fast niemand davon leben, zum anderen verstehen sich aber 75% hauptberuflich als KünstlerInnen. Nur ganz wenige haben angegeben, sie verstehen das als Nebenberuf oder sie verstehen es als gleichwertig mit einer Elternschaft oder als gleichwertig mit einer kunstnahen oder einer Kreativtätigkeit, und runde 9% haben angegeben, dass sie überhaupt von der Definition eines Berufsbildes Abstand nehmen würden, sondern die künstlerische Produktion wie eine andere Tätigkeit im Leben auch definieren würden.
Das heißt: wir reden da schon von einer großen Diskrepanz, haben nachgefragt, indem wir ein paar Postulate so aus den letzten 100 Jahren, die man so als Klassiker hört – kommt Kunst von Müssen, von Wollen – versucht haben[, einzufragen, Anm. AR.] da ein bisschen nachzuhaken. Es gehen immerhin über 60% der KünstlerInnen nach wie vor davon aus, dass die Motivation, Kunst zu produzieren, von einem Muss kommt, wobei also ein Begriff wie ‚Berufung’ so gut wie nicht mehr vorbehaltlos […] verwendet wird. Da gibt es wahrscheinlich schon Veränderungen in der Art, wie heute Definitionen vorgenommen werden. Aber ein innerer Impetus, eine innere Notwendigkeit, künstlerisch zu produzieren, ist noch immer gängige Motivation, so könnte man das vielleicht umschreiben. Also: es nehmen offensichtlich sehr, sehr viele durchaus bewusst – und da sag[e] ich jetzt auch ganz absichtlich – Armut in Kauf, um sich künstlerischer Produktion widmen zu können.
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