Archive for July, 2008

Ricarda Denzer 18

Ricarda Denzer, artist, A

RD:
Im Grunde schließe ich mich dem an. Ich wüsste nicht, warum meine Arbeit mehr Bedeutung hätte als eine andere Art von Arbeit, nur für mich hat sie eben eine Bedeutung. Das ist eben die Form, in der ich mich ordne […], das ist eben meine Arbeit, und ich denke mir, das KünstlerInnenbild ist so vielfältig wie die KünstlerInnen selber, und da gibt es nicht eines.

PRINZGAU/podgorschek 32

PRINZGAU/podgorschek, fine artists, A

AR:
[…] Was ist an der Produktion Kunst, am Leben als Kunstschaffende/r so anders als in anderen Berufen, wenn es doch so viele Dinge gibt, die man in einem aktuellen Gesellschaftsbezug doch nicht mehr anders wertet?

P/p – B:
[Wie war das, einfach gesprochen]?

AR:
Warum macht man Kunst, selbst wenn man nichts verdient?

P/p – W:
Ich sag[e] manchmal, dass Kunst Ablenkung von der Verkenntnis ist. Machen wir es einfach.

Friedrich Ernst Rakuschan im Publikum:
Ja, so einfach lassen wir das nicht. Kunst ist wichtig.

P/p – W:
Ja, aber trotzdem Ablenkung ist auch wieder etwas Unterhaltsames, eine Abbildung. Aber von der Verkenntnis, nicht von der Erkenntnis.

Friedrich Ernst Rakuschan im Publikum:
Künstlerische Logiken führen auch zu Erkenntnis […].

P/p – B:
Jede Logik führt zu irgendeiner Erkenntnis. Ich sehe das alles nicht so eng. Ich sehe das ja generell nicht so eng. Ich sehe mich jetzt nicht als Kunst…. Mir geht es genauso: jeder irgendwie frei arbeitende muss eben schauen, wie er sich selbst das macht, was ihn interessiert. Es gibt hunderttausende Leute – Fischer, die ewig an irgendwelchen Spindeln bauen -, […] ich würde nicht sagen, dass ich mich wesentlich von solchen Leuten unterscheide.

P/p – W:
Aber Du redest für Dich? Darf ich das so sagen?

P/p – B:
Bitte rede für Dich, dafür sind wir zwei.

P/p – W:
Sie meint ja, sie ist keine KünstlerIn. Sie möchte gerne Künstlerin sein, aber […].

Friedrich Ernst Rakuschan im Publikum:
Das gehört ja zur Kunst dazu, dass man sagt, man ist kein/e KünstlerIn.

Martina Reuter 04

Ricarda Denzer, artist, A

MR:
Und auch die Möglichkeit einzureichen ist ja schon so lächerlich […]. Ich kann einreichen [unter] Theater, bildende Kunst und Musik, und dann hat es sich [auch schon bald], da ist kaum irgendwo etwas dazwischen.

Friedrich Ernst Rakuschan im Publikum:
Die Bohème ist eine Erfindung der Gesellschaft und der Künstler war immer Unternehmer. Er macht seine Arbeit wie ein Unternehmer natürlich auch. Die machen auch die Arbeit, die sie interessiert. Dass man da etwas verdienen will, das muss jeder für sich abklären. Aber Paradoxien sind eben dazu da, dass man sie auflöst, aber Dich[, Wolfgang,] kann ich fragen – das ist das Leben, [et]was anderes gibt es nicht […]?

PRINZGAU/podgorschek 32

PRINZGAU/podgorschek, fine artists, A

P/p – W:
Kuratorenkultur.

MR:
Ist relativ jung.

P/p – W:
Ist eine jüngere Entwicklung, und eine mächtige Entwicklung geworden.

MR:
Ja.

P/p – W:
Ein großer Teil von diesem ganzen Konstrukt,

P/p – B:
die auch sehr viel einschachtelt und ordnet […].

Martina Reuter 03

Ricarda Denzer, artist, A

MR:
Ja, da hab[e] ich ja gar nichts dagegen, nur: ich möchte das dort eingeordnet sehen, wo es seinen Platz findet […]. Dann gehört es dorthin, wo es hin gehört: mit Verlaub gesagt, ich sag[e:] in ein Kaufhaus, in ein Kunstkaufhaus.

[…]

PRINZGAU/podgorschek 32

PRINZGAU/podgorschek, fine artists, A

P/p – B:
Wobei das natürlich in der Kunst …. [… Christo] finanziert ja seine Geschichten eben wieder mit Zeichnungen und Fotos, und […] ich glaube, diese haptische Suche ….

Martina Reuter 02

Ricarda Denzer, artist, A

MR:
[…] W[ann …] immer [man] über Kunst spricht – auch im Depot -, ich höre fast immer: Sammeln und Ausstellen. Es gibt Kunst, gerade die im öffentlichen Raum, die sammelt sich nicht und stellt sich nicht aus und lässt sich nirgendwo [… hin]einkaufen. Und das ist der Sektor, der immer vergessen wird. Auch in den wirklich etablierten und in den zeitgenössischen Kunsthistorikergehirnen höre ich immer nur: Ausstellen, Sammeln, Ausstellen, Sammeln.

AR:
Ja. Das stimmt.

MR:
Und da ist die Institution, und das Haus, und das wandert [hierhin] und nach dort. Das ist schon alles super und soll es auch weitergeben. Aber warum das immer noch diesen Stellenwert hat? Da frage ich mich: was hat sich geändert, nur dass die Bilder jetzt abstrakt zum Teil sind? Das ist mir zu wenig. Wo ist der Anteil, den diese Art – die gibt [e]s ja auch nicht erst [… seit] gestern – [braucht?] Wieso kommt das nicht hoch? Was fehlt da an Vermittlungsarbeit? […] Das fehlt auch im Kunstgeschichtestudium […].

P/p – B:
Ich glaube nicht, das [… das dort] drinnen [ist …].

MR:
Nein, überhaupt nicht. Es ist ja völlig lächerlich […].

P/p – B:
Nein, [ist es] sicher nicht.

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