Michael Wimmer 01

Michael Wimmer, art mediator, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/080507_4_mw.mov

Ich bitte das einfach auch ein Stück weg mit Vorsicht zu betrachten. Ich sag[e da]s vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Ihr[, Team kanonmedia, Anm. AR] selber ja in diese Studie hineinschreibt, dass […] die Weltstars jetzt nicht drinnen sind, aber vielleicht auch einige bekannte Namen dabei. Worauf ich schlicht hinaus möchte, ist, dass wahrscheinlich noch nie so viel Kunst produziert worden ist wie jetzt gerade, und dass durchaus auch der von Ihnen[, Franziska Maderthaner, Anm. AR.] schon angesprochene Starkult eine wesentliche Rolle spielt dabei.

Und wenn wir schon beim Theoretisieren sind, habe ich manchmal den Eindruck, diese Art von künstlerischer Existenz ist auch eine Avantgarde von neoliberalistischen Tendenzen, nämlich dahingehend, dass sich dort die Konkurrenzgesellschaft am äußersten abbildet. Wir haben auf der einen Seite die Stars, die Weltmenschen, denen alle zujubeln, die wir gierig suchen in den Medien. Und wir haben auf der anderen Seite prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Wenigen und die Vielen – das haben wir immer mehr in allen gesellschaftlichen Bereichen, und wir haben es ganz exemplarisch eben auch in diesem Bereich. Weil: diese Studie sollte nicht vergessen machen, dass es eine Reihe von künstlerischen Existenzen gibt, die unglaublich privilegiert sind, die unglaublich abgesichert sind. Und sehr viele, die eigentlich dorthin wollen.

Und jetzt sind wir schon bei den vielen Maßnahmen, wo Sie[, Franziska Maderthaner, Anm. AR.] schon angefangen haben zu reden. Und in der Tat ist eine Vermittlungstätigkeit auch eine solche. Da müssen wir aber vorher überlegen: was sind denn die eigentlichen Beweggründe von denjenigen, die eine künstlerische Ausbildung anstreben – im Sinn einer Erweiterung des beruflichen Profils. Weil wir haben da auch eine lange Geschichte der Erstklassigkeit und der Zweitklassigkeit: nämlich diejenigen, die [e]s nicht schaffen, z.B. in eine Meisterklasse zu kommen, die werden [… eben] dann Lehrer oder Lehrerinnen „daweil“. Das ist in Österreich ganz besonders so. Das erleb[e] ich in anderen Ländern etwas anders, wo [e]s nämlich ganz selbstverständlich auch ein vollwertiges Berufsprofil ist – ästhetischer Arbeit, nämlich, das als Lehrer, als Vermittler auch zu machen. Ich glaub[e], da muss in Österreich auch mentalitätsmäßig noch ein ziemlich weiter Schritt gegangen werden, weil nach wie vor geht [e]s in erster Linie um die Auslese der ganz wenigen gegenüber den ganz vielen anderen, die Ihr[, Team kanonmedia, Anm. Ar.] hier in erster Linie beschreibt.

No Comment

No comments yet

Leave a reply

Security Code: