Stefan Bläske 06

SB:
Es ist natürlich schwer, von „dem“ Fernsehen zu sprechen, denn mit dem Nachrichtensender, also Nachrichtensprecher identifiziere ich mich nicht, und mit „der“ Werbung auch nicht. Wenn Ihre Frage hier auf das Serielle anspielt, so wär[e] es wahrscheinlich am interessantesten, auf Soap Operas einzugehen, die ja wirklich einen Platz im Alltag der Menschen haben, die ein großes Identifikationspotential aufweisen. Es sind Menschen wie du und ich, die erleben Situationen wie du und ich, und ich glaube, dass dabei eben auch eine tragende, starke Kraft aus dem Seriellen, aus dem immer Wiederkehrenden kommt.

Ich seh[e] das also gar nicht so kritisch. Man sagt ja häufig abwertend: „diese Serien, immer wieder das Gleiche“, aber es gibt einen sehr schönen Aufsatz von Umberto Eco über die Innovation des Seriellen, das ja ganz viele Kunstformen betrifft, die wir als hohe Kunstform einschätzen – also da meine ich das Menuett, die Commedia dell’arte etc.Die haben ja auch [et]was Serielles und dadurch, dass es eine relativ strenge Form gibt, die man dann aber ein bisschen variieren kann, dadurch entsteht auch ein großes Potential.

AR:
Was eigentlich auch wieder ein Ritus ist. Der Ritus arbeitet ja auch so.

SB:
Ja. Insofern glaub[e] ich, dass vielleicht – wenn man einen Unterschied machen möchte – dass dann ein Unterschied zu machen wäre zwischen Theater, wo man doch eher zu dem einmaligen Ereignis hingeht und sich dann diese zwei Stunden in eine – vielleicht – Figur hineinversetzen oder gar mit ihr identifizieren kann, während man in Soaps diesen wiederkehrenden Effekt hat – wobei sich das ja immer gegenseitig beeinflusst.

Es gibt auch im Theater immer mehr Serien. Es gibt sehr viele Theater, die inzwischen so [et]was wie eine Serie anbieten. […] In Berlin läuft seit Jahren Gutes Wedding, schlechtes Wedding, […] das in seinem Format den Fernsehserien sehr nahe kommt. Ähnliche Arten haben viele große Theater in den letzten Jahren ausprobiert, insofern denk[e] ich, dass es da auch immer mehr […] gegenseitige Beeinflussung gibt.

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