Stefan Bläske 05

[…] Wahrscheinlich muss man trennen zwischen der Zuschauerperspektive und der Darstellerperspektive, denn da gibt es natürlich eine große Verschmelzung. Ich kann als Darsteller immer nur mich selbst einbringen. Ich kann mich zwar versuchen zu verstellen, ich kann mit method acting und ähnlichem versuchen, mein emotionales Gedächtnis zu bemühen, aber es gibt immer diese Mischung aus: ich bringe mich, meinen Körper, meine eigenen Erfahrungen ein, und zugleich versuche ich aber, [et]was vorzustellen und diese Maske zu haben. Und je nachdem, wie diese beiden Dinge im Verhältnis stehen, würde man das dann eher Brecht zuordnen oder dem method acting oder was auch immer.

Von Zuschauerseite, glaub[e] ich – und da hab[e] ich das Problem, das ich bei der ersten Frage schon hatte -: das Interessante für uns Wissenschaftler sind ja immer die Experimente, es ist immer das Ausprobieren. Aber 95% dessen, was auf den Bühnen passiert, ist ja doch klassisches Erzähltheater im Sinne von: ich bekomme eine Geschichte erzählt, die wahrscheinlich sogar schon vor 500 Jahren geschrieben wurde, von einem prominenten Autor, und ich gehe auch nur hin, weil ich den Autor kenne, und [ich] kenne oft ja nicht [ein]mal die Regisseure. Und das heißt: ich lasse mir als Zuschauer meistens einfach diese Geschichte erzählen und tauche da ein und möchte mich auch identifizieren und bin oft verärgert, wenn ich das nicht kann. [Bei der] Inszenierung, die ich gerade bei den Wiener Festwochen gesehen habe, sind viele Leute gegangen, weil sie sich eben nicht identifizieren konnten und weil genau dieser Mechanismus verweigert wurde.

Dies jedoch erwartet man bei der bildenden Kunst schon gar nicht mehr. Wenn man in [ein] Museum geht, gibt es – glaub[e] ich – eine andere Erwartungshaltung.

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