Leander Kaiser 13

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Ich glaub[e], das Spezifische von Fernsehunterhaltung ist nicht mehr das Amusement, sondern die Angst. Das wesen der Spannung ist die Angst. Das ist natürlich schon im antiken Theater vorgegeben – Katharsis hat mit dem Untergang des Helden zu tun, die[se] entsteht eben durch den Untergang des Helden und das Mitleiden beim Untergang des Helden. Das ist das zentrale Thema der Katharsis.
Aber wenn das sozusagen generalisiert wird, diese Technik der Anteilnahme, dann ist sie eigentlich als Form der Spannung Angst. Es ist eine Angstspannung. […] Die meist konsumierten Sendungen sind immer Krimis, Fußballübertragungen und dergleichen mehr. Bei Fußballübertragungen geht es auch um Angst – einerseits um die Identifikation unter Umständen mit einer Mannschaft, Angst um diese Mannschaft, [andererseits] Angst vor den Folgen des fehlerhaften Tuns dieser Mannschaft. Das werden wir jetzt sehr genießen in Österreich [bei der EM 2008, Anm. AR]
Also: hier sind Identifikationsmechanismen im Gang, die sehr viel mit Angst zu tun haben – medial. Und das ist eine ungeheure Überschwemmung mit Angstproduktion, die das Fernsehen ausmacht im Unterschied zur Tradition des Dramas, das nicht in dem Maß mit der Angstproduktion beschäftigt war, sondern Ängste nehmen wollte. Letztendlich war die Katharsis ja nicht gezielt auf die Produktion von Angst, sondern auf die Aufhebung von Angst.
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