Walter Stach 20

Walter Stach, artist/art mediator, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/stach_subclip20.mov

AR:
Um ein Beispiel zu geben: Ich denk[e] zum Beispiel schon lang[e] darüber nach, ob KünstlerInnen, die in Galerien hängen, nicht Gagen dafür bekommen sollten, dass sie Bilder hängen, weil ja schließlich der Hauptteil oder alle Produktionskosten bei ihnen liegen, und ich frage: da gibt [e]s klassische Vereinbarungen – 50/50%: sozusagen Vertrieb und Bewerbung für die Galerie, das ist zum Beispiel noch handhabbar, weil es ein Verkaufsobjekt, zum Beispiel ein Bild gibt. In vielen anderen Fällen, wenn dann eine Galerie sagt – oder geschweige denn ein Museum –: das ist jetzt nicht modern, wir stellen keine Bilder aus, wir wollen prozessuale Kunst, was passiert dann …? Dann gibt [e]s zum Verkaufen auch nichts mehr. Ich persönlich bin der Ansicht, dass es da … – also, wenn wir schon vom Dienstleister, der Dienstleisterin sprechen –, ob es da nicht modernere Ansätze geben könnte, wie KünstlerInnen in einer Gesellschaft anerkannt werden, und zwar auch finanziell anerkannt werden.

WS:
Also, diese Ansätze kenne ich nicht, und ich glaube, sie gibt [e]s in dieser Gesellschaft, die nach ihrer Ökonomie immer noch eine kapitalistische ist, nicht. Es gibt vielleicht Ausfransungen und Versuche, diesen Zwängen, die systemimmanent sind, zu entkommen beziehungsweise nicht in sie hineinzukommen, aber letztlich – glaub[e] ich und davon bin ich überzeugt – funktioniert [e]s nicht. Zum Ersten.

Zum Zweiten. Wenn ich mich als Berufsangehöriger, als Produzent betätige, dann hab[e] ich – und wenn es auch sozusagen nur ein Selbständiger ist –, dann hab[e] ich einfach auch damit zu rechnen, dass … ich das, was ich produziere, auch verkaufen muss oder nicht verkaufen kann, mit allen Imponderabilien, die dazu gehören, dass das … [eben] Moden unterworfen ist, dass es, sobald es in den Distributionskreislauf gelangt, meiner Kontrolle entzogen ist … Also: das millionenfach gebrauchte Beispiel von van Gogh, der … [eben] um ein paar Gulden seine Bilder – wenn überhaupt – verkaufen konnte, und heute sind sie Millionen von Euros und Dollars [wert]. Aber unlängst hab[e] ich gelesen, dass der Gursky eines seiner frühen Werke …, dass es versteigert wurde um 2 1/2 Millionen Dollar, davon hat er nichts, davon hat er überhaupt ni[chts]. Aber das ist so, und ich glaube, wenn Künstler realistisch sind und diesen Teil ihres Tuns, eben einen Beruf auszuüben – es ist ein Teil ihres Tuns, aber ein sehr handfester –, wenn sie den wahrnehmen, ernst nehmen, dann würden sie auch, glaub[e] ich, realistischer ihre eigene Position in diesem Zusammenhang, in diesem ökonomischen Zusammenhang sehen und vielleicht auch besser reüssieren können. Aber dazu sind sie vielleicht vielfach auch deshalb nicht imstande, weil die Ausbildungsstätten – soweit ich das derzeit überblicke – noch immer nicht soweit sind, dass sie sich als Ausbildungsstätten, nämlich als berufsbildende Schulen (Universitäten, Hochschulen) verstehen und sehr viel noch immer diese[s] – ja sozusagen wolkige, ideale, oder besser gesagt, idealisierte – Künstlerbild tradieren in den Köpfen dieser jungen Menschen, die da ausgebildet werden, als dass sie sie auf einen Beruf vorbereiten.

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