Walter Stach 07

Walter Stach, artist/art mediator, A

http://www.datonet.at/kanonmedia/stach_subclip7.mov

AR:
Der Kunstmarkt ist ja doch stark ein Imagemarkt geworden, nicht? …. Sozusagen Rang und Ansehen, persönliches Image definieren den Wert des Künstlers, der Künstlerin, de facto wie ein Börsenmarkt, könnte man sagen. [Das] steht in großem Widerspruch zu zeitgenössischen Auffassungen, die das Werk, das Oeuvre verwerfen und prozessuale Kunst, Kommunikationskunst in den Vordergrund stellen, auch in der Medienkunst zum Beispiel net.art – ganz viel politische Kunst, die Campaigning, letztlich ganz stark Campaigning forciert. Ich glaube, das entspricht ein bisschen so deinen Schilderungen einer l’art pour l’art-Strömung versus einer politischen Ausrichtung von Kunst …

WS:
Ja, wobei ich da nicht mehr so ganz sicher bin, ob wir das Gleiche verstehen, wenn wir von Politischem in der Kunst oder von politischer Kunst reden. Vor – ja, es ist jetzt sehr lange her, es muss irgendwie vor 35 Jahren gewesen sein –, war ich einmal in der Secession und da gab [e]s eine Ausstellung dieser realistischen Künstler wie Hrdlicka, Frohner, Martinz, die ich damals also sehr … nicht verehrt habe … – denen ich nachgeeifert bin in meiner eigenen Produktion. Und im Obergeschoss der Secession stand ein … wahrscheinlich war es ein Super-8-Projektor oder so [et]was … und … warf also ein Bild, einen Film an die Wand. Und es war eine der ersten Kunstaktionen von Christo zu sehen, nämlich The Running Fence. Und ich kann mich noch ganz genau erinnern – also sozusagen aufgewärmt bis aufgeheizt durch die muskelbepackten Figuren des Alfred Hrdlicka in Bronze und in Marmor und in Sandstein – stand ich da oben und plötzlich gingen mir irgendwie die Augen auf für etwas, das vollkommen [als] etwas Konträres mir erschien, nichts anderes war als schön, es war ni[chts] and[e]res als schön: Diese grüne Wiese, und es haben sich da diese weißen Kunststoffbahnen im Wind bewegt, und es war keine rote Faust zu sehen und ni[chts]. Ein Sprung in der Entwicklung dieser beiden Künstler: Der Hrdlicka ist dort sozusagen geblieben – ich verehre ihn in der Zwischenzeit immer noch –, Christo hat den Reichstag verpackt und ist es deshalb, weil die Leute dort hingepilgert sind zu Zehntausenden und sich dort angeschaut haben ein verpacktes Gebäude, das nichts anderes bezweckte als verpackt zu sein und angeschaut zu werden. Und dem es gelungen ist, für dieses Projekt, für das er ja viele Jahre, ich glaube fünfzehn oder zwanzig Jahre, gekämpft hat und von dem, bevor es realisiert werden konnte, ein Drittel – so hab[e] ich gelesen – der Bundesdeutschen auf eine Befragung hin gesagt haben, das ist schön, und zwei Drittel haben gesagt, das ist Unsinn und das brauchen wir nicht oder wie auch immer es formuliert [war] … und nach dieser Aktion war das umgekehrt, das heißt zwei Drittel der Deutschen haben plötzlich Gefallen an so etwas gefunden. Ich weiß nicht, wie die Fragestellung war und ich weiß auch nicht ganz genau die Antworten, aber – und darum geht [e]s mir jetzt aber auch gar nicht –, also, was ich eigentlich mit diesem Beispiel sagen will, ist sozusagen mein Zweifel, dass das, was als politische Kunst daherkommt, weil es das Taferl halt d[a]raufgesteckt bekommen hat, auch unbedingt wirklich die politische Kunst sein muss, und anderes, was scheinbar so unpolitisch erscheint, das Etikett l’art pour l’art aufgelegt bekommt. Also, ich bin da unsicher bzw. denk[e] mir immer, ich muss mir das anschauen, worum es da geht, und dann bilde ich mir meine Meinung, ob mir das als politisch erscheint, als politisch relevant, oder nicht.

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